Faire Anstellungsbedingungen für Kinderbetreuer & Kita Arbeit im Wandel der Zeit

Wie gross war wieder der Aufschrei der durch Deutschland ging letzte Woche als es hiess: Evtl. werden die Kitas wieder Streiken! Empörte Eltern, Ahnungslose und noch mehr Unwissende stritten also im Netz mit Erzieherinnen und anderen Pädagogen darüber, ob es den Leuten zusteht wieder in den Streik zu treten. Weil Arbeitsplätze dran hängen (verständlich) und weil viele einfach schlicht und ergreifend nicht wissen wohin mit dem Kind, falls es nochmal zum Streik kommen sollte. Wobei ich der Meinung bin, dass man sich organisieren kann, auch für wenig bis kein Geld, wenn man nur will. Der Beruf der Erzieherin hat sich aber auch in den letzten Jahren stark gewandelt. Ansprüche sind gestiegen, mehr Förderung wird verlangt, wenig Personal, viele Feuerwehrübungen (man versucht „Brände“ zu löschen statt sie zu beheben, z:b bei Personalengpass usw.) Es findet auch ein Wandel statt was die Ausbildung der Erzieherin betrifft, näheres zum Wandel der Kita Arbeit hier:

http://www.kitakram.de/Die-Entwicklung-der-Kitaarbeit

Ich bin der Meinung: Zufriedene Angestellte gehen mit einer ganz anderen Motivation in die Arbeit, wenn sie Wertgeschätzt und Fair bezahlt wird. Denn auch wir, die mit Kindern arbeiten, müssen Rechnungen zahlen und leben. Ich erinnere mich gut, als ich letztes Jahr eine Anstellung als Nanny suchte waren da einige Aussagen dabei, die ich nur noch Kopfschüttelnd hinnahm. Bis auf eine;

Da erzählte mir die Mutter was sie denn alles so für Ansprüche hat: Das Haus putzen, Wäsche waschen und bügeln, Einkaufen, Kochen, 3. Kleinkinder betreuen und fördern plus mit dem Hund raus gehen 3. Mal am Tag. Also das Rundumwohlfühlpaket für den Arbeitgeber, täglich 10. Stunden. Als ich sie nach der Bezahlung fragte, nannte sie mir die Summe (3500 CHF Brutto), daraufhin konnte ich nur noch lachen. Ich sagte ihr deutlich, dass es weit unter dem Mindestlohn sei was sie da bezahlen möchte, für das grosse XXL Paket, dass sie da verlangt. Und dann, im ganz ernsten Ton bekam ich das zu hören: „Mögen Sie denn keine Kinder? Sie sind ja mega fest aufs Geld fixiert!“ „Doch doch ich liebe Kinder, antwortete ich genau so trocken zurück, aber wissen Sie Frau XY, mein Vermieter, meine Telefongesellschaft, meine Versicherungen und die Kassiererin beim Coop, die kann ich nicht mit Kinderliebe bezahlen. Und wenn ich schon Hundesitterin, Haushälterin, Köchin, Putzfrau und Nanny in einem bin, 10 Stunden pro Tag, Woche für Woche, möchte ich auch einen gerechten Lohn, denn auch meine Zeit ist kostbar!“ Die Dame legte nur noch auf und liess mich fassungslos zurück. Ist jetzt einer der hefigeren Fälle gewesen, aber sicher keine Ausnahme. (Eine andere Dame hätte mich z.B gern gehabt als Nacht Nanny für 100 CHF, Brutto / Nacht, 4 mal die Woche, von 21 Uhr bis 6 Uhr am morgen für ihre Neugeborenen Zwillinge)

Liebe Eltern, was denkt ihr euch eigentlich manchmal dabei? Wir Nannys machen das nicht aus einer Langweile heraus, es ist unser Beruf. Davon leben wir, damit verdienen wir unsere Brötchen, davon müssen wir alles bezahlen wie ihr auch. Und wenn die Ansprüche hoch sind, muss es das Gehalt auch sein. Ihr könnt nicht verlangen, dass wir für 15-20 CHF pro Stunde die Eierlegende Wollmilchsau sind. Denn ihr wisst selber, Haushalt, Einkauf, Kochen, Putzen, Waschen und Bügeln inc Kinderbetreuung und Förderung, das ist ein hartes Stück arbeit.

Vielen ist aber der Unterschied auch nicht geläufig, zwischen Tagesmutter, Babysitter, Aupair, Nanny (mit und ohne päd. Ausbildung), Kleinkinderzieherin, denn die Gehaltsspannnen hier klaffen gewaltig auseinander, aber dazu ein anderes mal mehr. Heute soll es um den Beruf der Nanny gehen. Die Stadt Zürich hat dazu ein sehr gutes, ausführliches Merkblatt raus gegeben :     13_nannys

Ich würde mir sehr wünschen, dass mehr Eltern sich erst mal richtig Informieren, bevor sie sich eine Nanny suchen. Denn wenn das nicht über eine Agentur passiert, kann es schnell passieren, dass man, gerade als junge Frau ausgenutz wird, schlicht und ergreifend, weil man es nicht besser weiss, auf beiden Seiten.  Viele Familien wissen auch einfach nicht, wo man zu welchen Fristen ihre Hausangestellten melden und anmelden muss. Oder wieviel man von ihren Angestellten zu erwarten hat, gerade wenn es sich um eine Live -In Nanny handelt.

Auch hier hilft dieses Merkblatt, oder einfach nachforschen, informieren, fragen. Im ersten Jahr in der Schweiz, musste ich eine Busse bezahlen, (die Familie auch) da sie vergassen mich richtig anzumelden. 400 CHF für alle, denn ohne Anmeldung, was die Pflicht des AG ist, ist es Schwarzarbeit und Unwissenheit schützt  bekanntlich vor Strafe nicht. Agenturen regeln das meistens viel besser, haben aber den Nachteil, dass sie für Famlien schlicht zu teuer sind. Im Zweifelsfall würde ich aber immer eine Anstellung über eine Agentur vorziehen. Gute Adressen gibts bei mir, denn auch unter den Agenturen hat es Schwarze Schafe.

Falls ihr Fragen zum Thema habt, Anregungen, Kritik, Lob, bitte an: M.Poppins@gmx.ch

Der Blog erscheint ab jetzt immer Freitags!

Schönes Wochenende

Nanny Anny

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