Liebe Eltern, weniger ist in dem Fall mehr

Rund um die Uhr ist Aktion angesagt, Frühförderung, Bespassung und Berieselung, von einem Playdate zum anderen hetzen, damit sich die kleinen nur nicht langweilen. Dabei bräuchte es diese unbedingt, sage nicht nur ich, sondern auch die Kinderärztin Bettina Zuppinger in einem Interview der Zürcher Zeitung vom 21.11.2015.

Wie geht es den Kindern in dieser Stadt?

„Unsere Kinder sind extrem zugemüllt mit Angeboten. Unsere Kinder langweilen sich nie. Die Kinder der gut Situierten gehen ins Karate, ins Frühenglisch, in den Cellounterricht und ins Fussballtraining. Und viele Kinder der bildungsfernen Familien haben keine Freizeit, weil sie immer fernsehen, vor dem Computer sitzen oder gamen müssen. Die Kinderzimmer sind mit Spielsachen zugestopft. Es gibt einfach keine leere Zeit mehr. Kinder müssten sich aber langweilen dürfen, wir müssten geradezu dafür sorgen, dass sie sich langweilen. Sonst entsteht nichts Kreatives, und sie spüren nicht, wer sie eigentlich sind. Um es kurz zu machen: Unsere Kinder müssten weniger Schule, mehr Bewegung, mehr freie, unorganisierte Zeit, weniger ausserschulischen Freizeitstress haben – und es wäre vieles besser.“

Quelle und ganzes Interview: http://www.nzz.ch/zuerich/aktuell/lebendig-zu-bleiben-das-waere-kein-schlechter-ansatz-ld.3177

Auch ich gerate öfters an Eltern, die meinen man müsste das Kind rund um die Uhr fördern, bespassen, bespielen und beschäftigen. Allerdings sind das die gleichen Eltern, die sich dann ein paar Jahre später darüber aufregen, dass die Jugend nichts mit sich anzufangen wüsste. Oder gar noch darüber mockieren, wenn die Kinder kleiner sind, dass man sich keine 5 Minuten mit der Freundin unterhalten könnte, da das Kind unfähig ist sich alleine zu beschäftigen. Und es sind keineswegs Bildungsfremde Personen, die diesen Zusammenhang nicht sehen. Es sind teils studierte, in Chefpositionen, wo ich mich wirklich fragen muss, warum man diesen einfach Zusammenhang nicht erkennt oder erkennen will.

Ich habe auch öfters Mamis getroffen die mit einem Kind zu Hause waren doch ihren Haushalt und andere Dinge nicht auf die Reihe bekommen haben. Wenn ich ihnen dann geraten habe sich etwas zu organisieren, mal ihren Tag zu strukturieren, schauten sie mich an als würde ich plötzlich Japanisch reden. Oft höre ich dann Sachen wie: „Mein Kind ann sich nicht alleine beschäftigen und der Gleichen. Ich kann ja nicht mal 10 Minuten die Füsse hoch heben. Ich ertrage es nicht, wenn sich mein Kind langweilt und jammert.“ Ja, woher kommt das nur und was macht man da bloss?

Oft beobachte ich auch Mütter auf dem Spielplatz die ihren Kindern im Sandkasten was vorspielen, anstatt sich mal zu entspannen und auf die Bank zu setzen und zu schauen was passiert. Wie soll denn Phantasie entstehen wenn alles vor – und bespielt wird? Wie soll ein Kind lernen sich alleine zu beschäftigen, wenn es dauernd animiert wird? Auch sehr belustigend ist der krasse Gegensatz zu den Eltern die ich gerade beschrieben habe. Die Eltern nämlich denen es gar nicht schnell genug gehen kann bis sich die Kinder selber beschäftigen können. Da las ich doch in einem Forum die Woche die Frage einer besorgten Mama: „Meine Tochter ist nun 3 Monate alt und mag nicht eine Minute alleine spielen, wie ist das bei euch?“ Na ja, mit 3 Monaten konnten wahrscheinlich die wenigsten von uns diesen Anforderungen entsprechen.

Ich habe auch für eine Familie gearbeitet in der es eine Förderung nach der anderen gab. Das Mädchen war damals in der ersten Klasse und hatte jeden Tag Programm von 8-18 Uhr. Als sie dann endlich Ferien hatte, dachte ich es sei eine gute Idee mal einen Tag auszuspannen, im Garten zu spielen und Muffins zu backen. Mal runterkommen von dem ganzen Alltagsstress. Denn ein 10 Stunden Tag bzw. eine 50 Stunden Woche geht auch uns Erwachsenen an die Nieren. Oh, wie sollte ich mich täuschen. Ich bekam den Rüffel meines Lebens in der Arbeit, von der Mutter, warum wir den ganzen Tag nichts unternommen hätten. Sie drückte mir Geld in die Hand (keine Peanuts, richtig viel Geld) mit den Worten: „Ich möchte dass ihr jeden Tag was unternehmt. Museum, Ausflüge, Zoo, das Kind soll sich ja schliesslich nicht langweilen in den Ferien!“ Joa, also ging der Stress für das Kind weiter. Wir hatten zwar eine gute Zeit und es lebte sich sehr schön die 3 Wochen, doch Erholung sieht für das Kind anders aus.

Das Schweizer Eltern Magazin Fritz Fränzi hat auf Youtube einen ganz tollen Kanal, der dieses Thema vor ein paar Wochen aufgegriffen hat. Super erklärt und animiert, schaut doch rein:

Ich wünsche euch ein tolles Wochenende und haltet Ausschau, evtl läuft man sich ja über den Weg, denn Nanny Anny ist auf Promotiontour rund um Zürich und Winterthur. Uuuund..es hat noch Plätze für den Kurs: Richtig kommunzieren mit Kindern. Auch ohne Mitgliedschaft auf der Plattform, könnt ihr euch direkt über mich anmelden.

http://www.wissenstausch.ch/de/kurs/detail/richtig-kommunizieren-mit-kindern/

Tipps, Kritik, Lob, Anregungen? Hier oder unter: M.Poppins@gmx.ch

Eure Nanny Anny

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