Die Rolle des Vaters

Heute gibt es einen Beitrag von einem Papa, auf den ich mich sehr freue. Danke Thommay!
Besonders gut gefällt mir, wie er schreibt, so locker von der Leber weg, aber schaut selber rein!
Gestern lief auf 3Sat der Film Elementarteilchen. Ich drücke mich um deutsche Liebeskomödien aber meine Frau kontrolliert die Fernbedienung. Manche Männer würden das nie zugeben – in der Kneipe lieber prahlen mit „Wenn Schalke spielt, hat die Alte ruhig zu sein und Bier zu holen.“ Wenn sie dann mit Bierfahne nach Hause kommen, verdrücken sie sich lieber heimlich auf die Couch, statt sich die verdiente Standpauke ihrer Frau anzuhören. Wer hat hier das Sagen? Ich gebe Entwarnung, die meisten Männer sind nicht so.
Auch der 3Sat-Film beginnt mit einer klischeehaften Szene – typisch deutsche Komödie eben – Moritz Bleibtreu alias Bruno verabreicht seinem Baby eine Viertel Schlaftablette, damit er in Ruhe weiter an seinem Manuskript arbeiten kann. Ich denke an die typischen Till Schweiger-Komödien. Mit seinem begrenzten schauspielerischen Talent bringt er 2009 in Zweiohrküken über 6 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos. Warum ist das so und warum ziehen scharenweise Frauen ihren Mann mit in den Kinosaal? Der Stern schreibt: „…weil er eine Gesellschaft propagiert, die es zum Glück nicht mehr gibt, die aber offensichtlich viele vermissen. Und nicht nur Männer…“
Weil es haufenweise solcher primitiven Beispiele in der deutschen Medienlandschaft gibt, die sich offensichtlich wunderbar kommerzialisieren lassen (Marion Bath füllt Stadien!), steht man als Vater in seiner Rolle erstmal ziemlich schlecht da. Als Vater hat man den Nachteil, dass man bei der Betreuung von Kindern erstmal aufholen muss. Geschlechterspezifisch hat die frischgebackene Mutter schon im frühen Kindheitsalter Puppen an- und ausgezogen, Papa hat im Sandkasten gebaggert. Und die Gesellschaft trichtert genau das dem jungen Vater in den Kopf ein: „Du bist eine zweitklassige Erziehungsperson!“ – Bist du nicht!
Manche Väter sehen das schnell ein. „Die Frau macht alles, kann eh besser wickeln, das Kind besser beruhigen, weiß es sowieso besser und gibt mir als Mann nen Anschiss, wenn ich was verkehrt mache. Da kann ich mich auch gleich auf meine Karriere konzentrieren. Elternzeit? Was für linke Spinner und Weicheier – für Frauenversteher.“ In meinem letzten Vorstellungsgespräch wollte der Abteilungsleiter mich damit werben: „Wenn Sie Kinder haben, dann ist dies der optimale Job für sie. Hier müssen sie oft und viel reisen und haben dann Ruhe vor dem Blag.“ Ich habe mich bedankt, das Jobangebot abgelehnt und bin zu meiner Tochter gefahren. Männer, seid ein Mann und nicht ein blöder Karrieretyp, der seine Angst bei der Kinderbetreuung zu versagen hinter einem hochpreisigem SUV versteckt. Traut Euch. Wickelt, betüdelt, schunkelt in den Schlaf – wischt die Kacke weg! Die Kinder danken es Euch. Jeder Tag wird zu einem Glückserlebnis, wenn meine kleine Tochter schon auf mich wartet wenn ich von der Arbeit komme und mich mit einem breiten Grinsen und einem liebevollen „Papa“ begrüßt wenn sich die Tür öffnet. Verdient Euch das! Dafür kann man auf 100 Kneipenabende mit Kumpels verzichten. Männer, werdet mutiger und nehmt die Verantwortung an!
Frauen, findet ihr einen nach Bier stinkenden Schalke-Fan, der einen kreditfinanzierten SUV fährt und blöde Sprüche kloppt wirklich sexier als einen fürsorglichen Familienvater? Dann geht ins Kino und schaut Euch Schweiger und Co. an, aber lasst uns Männer damit in Ruhe. Hört verdammt nochmal auf zu meckern, wenn wir etwas anders machen als ihr. Anders ist nicht falsch. Angeschnautzt zu werden, wenn man den Body verkehrt herum anzieht, die Windel eine Nummer zu groß ist oder man den falschen Brei eingekauft hat ist demotivierend und fördert den Kneipenbesucher in uns. Ihr müsst cooler werden, den Mann auch Fehler machen lassen.
Jetzt habe ich ganz schön moralapostelt. Aber mich nerven solche blöden Stereotypen im Fernsehen einfach an und noch mehr Leute die sich so oder so verhalten nur weil sie denken dies aufgrund ihres Geschlechtes so tun zu müssen. Sind dann schwule Paare vielleicht sogar die besseren Eltern? Könnte man jetzt fragen. Was soll die Diskussion? Gute Eltern sind welche, die die Herausforderung annehmen und sich liebevoll dem Kind zuwenden und ich glaube, dass dies selbst ein Till Schweiger tut und auch die meisten Schalke-Fans.

2 Gedanken zu “Die Rolle des Vaters

  1. Toller Beitrag und so lebensnah und leicht verständlich geschrieben. Eigentlich genau so, wie es ist. Übrigens hatte auch ich einen Mann, der sich trotz steiler Karriere, am Wochenende wahnsinnig viel mit den beiden Söhnen unternommen hat: Schlittschuhlaufen, Rad fahren, Schwimmen gehen, zum Sport begleiten, Museen besuchen ……. Andere Männer damals haben das nicht immer so verstanden, aber ich fand’s toll, dass er sich so gekümmert hat und das nicht nur mir überlassen hat. Das ist jetzt schon gute 25 Jahre her, aber es ist schön, dass die heutigen Väter sich viel mehr Zeit nehmen für ihre Kinder. Da hat sich viel zum Positiven geändert seit meiner Kinderzeit, wo die Erziehung den Müttern überlassen wurde. LG Sigrid

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