Was hatte man früher für eine Vorstellung von Erziehung? Ein Interview

Heute habe ich für euch nun den ersten Teil des Interviews mit Sigrid. 

Sigrid blogt genau so lange wie ich, seit August 2015. Auch dir Sigrid: Herzlichen Glückwunsch zum kleinen halbjährigen Jubiläum? Sie ist Mutter von 2 Söhnen, war lange in der Elternarbeit tätig (Kindergarten, Grundschule und Gymnasium und ist nun pensioniert. Auf ihrem Blog geht es um Wandern, Reisen und Radeln. Ausserdem hat sie noch eine andere tolle Rubrik: Die Küchenplauderei. Aber schaut selbst!

Heute gehts um Erziehung  und was sie für Sigrid bedeutet. Wir erfahren wie Sigrid aufwuchs. welche Werte damals gelebt wurden und welche Dinge verpönt waren. Morgen, im zweiten Teil, wie Erziehung sich im Laufe der Zeit veränderte und wie die Elternarbeit als Elternvertreterin über so 16 Jahre sich gestaltete.

Mein erstes Interview ausserdem,  und der erste für den Blog! Danke.

Was bedeutet für dich Erziehung?

Erziehung bedeutet für mich, dass Kinder Werte vorgelebt und vermittelt bekommen, die für den Umgang miteinander und für das spätere Leben wichtig und sinnvoll sind:  Liebevoller Umgang miteinander, Rücksichtnahme, Verantwortung, Mitgefühl, Kompromissfähigkeit, Anstand, Manieren, Ehrlichkeit, Zuversicht, Verlässlichkeit, Toleranz, aber auch Fleiß, Regeln lernen und einhalten, Konsequenzen des eigenen Tuns aushalten, nicht nur fordern, auch bereit sein etwas dafür zu tun, wenn Ziele erreicht oder Träume verwirklicht werden sollen.
 

Wie haben dich deine Eltern erzogen, auf was wurde Wert gelegt?

Wenn ich zurückdenke, dann fällt mir vor allem ein, dass ich streng erzogen wurde.  Widerspruch und  Diskussionen gab es nicht, denn den Anweisungen der Eltern wurde Folge geleistet. „Gehorsam“ ist wohl das richtige Wort dafür. Wir Kinder hatten zu gehorchen, dann war alles gut.  Sag „danke“ und „bitte“, sei nicht frech, mach‘, was dir die Oma sagt ……Solche Ermahnungen hörte ich früher ständig.     Vor allem ich als Mädchen wurde früh zum „helfen“ erzogen und daneben standen als Erziehungsziel Höflichkeit, Fleiß, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Sauberkeit  an oberster Stelle. Die Eltern sorgten sich, waren immer für mich da, ich konnte unbeschwert aufwachsen, meine Mutter war zu Hause und kümmerte sich um mich und meine Geschwister. Diese Erziehung war einfach ganz normal in dieser Zeit.
Was heute einfach vielen mehr bewusst ist, damals in den 50er Jahren gab es überhaupt keine Medien – außer Radio.  Kinder orientierten sich an den Eltern, Großeltern, einfach den Familienangehörigen.  Was die vorlebten, wurde als „richtig“ empfunden und auch die Moralvorstellungen wurden übernommen. Als kleines Kind – aufgewachsen auf dem Land – konnte ich mir ja auch gar nicht vorstellen, dass andere Menschen ganz anders leben und denken oder womöglich anders erzogen werden.  Erziehung empfindet man als Kind doch nicht als Maßnahme, man durchlebt sie einfach.

 Erst so mit 10 Jahren habe ich mich auch an anderen orientieren können als ich die Schule wechselte und in einen anderen Ort fahren musste. Vom Land in die Stadt. Andere Mädchen aus anderen Verhältnissen mit Müttern, die evtl. berufstätig waren bzw. sein mussten, eröffneten auch neue Einblicke  und ab da auch öfter Widerstand in mir gegen die Ansichten meiner Eltern. Widerstand oder andere Meinungen bedeuteten aber Stress und Streit. Mein Vater passte ab da um so mehr auf mich auf, kam ich doch langsam ins Teenageralter und vom Mädchen zur jungen Frau.  Mit 13 oder 14 durfte ich zwar mal auf Mädchengeburtstage, aber sobald Jungs ins Spiel kamen, z.B. in der Tanzsstunde,  musste ich sofort danach nach Hause kommen. Mein Vater holte mich höchstpersönlich ab und einen Freund zu haben, wäre undenkbar gewesen.  Alles was damit zu tun hatte, war in dem Alter einfach noch undenkbar. So wurde ich auch nie aufgeklärt, sondern mir wurde ein Buch in die Hand gedrückt mit dem Titel „Woher kommen die kleinen Buben und Mädchen“. So das war’s.  Aber es gab ja schon damals die „Bravo“ und andere Mädchen und Freundinnen wussten auch besser Bescheid. Meine Erziehung war sehr prüde, denn Sexualität war ein Tabuthema.

 

Fazit:  Als braves, fleißiges, gehorsames Mädchen erlebte ich  eine unbeschwerte, schöne, behütete Kindheit auf dem Land in einem großen Haus mit Garten, Hund, Hühnern und einem kleinen Bruder. Die Eltern duldeten keine Widerrede bei  Entscheidungen, sagten wo’s lang geht, was erlaubt ist und was nicht.  Streng aber gerecht – so würde ich meine Erziehung heute bezeichnen.  Bis heute habe ich sie nie in Frage gestellt, denn es war der damaligen Zeit geschuldet, dass die Eltern so streng waren. Hatten sie doch beide den Krieg erlebt und aus uns Kindern sollten rechtschaffene, ehrliche Menschen werden, die ein besseres Leben haben sollten. 

Was war Gesellschaftlich verpönt?

Damals gab es noch ganz andere Moralvorstellungen als heute. Wer von den jungen Leuten kann sich heute noch vorstellen, dass es nicht mal ein Fernsehgerät gab und deshalb die große, weite Welt auch außen vor war. Ich würde mal sagen, dass alles verpönt war, was nicht in die Norm und die Moralvorstellungen  passte in dieser Zeit. Mehr kann ich dazu allerdings nicht sagen, als Kind nimmt man das alles nicht so wahr, sondern hat nur noch Äußerungen in Erinnerung.  Später in den 70ern, als ich dann eine junge Frau war,  hat sich das alles unglaublich verändert.

 

 Morgen gibt es dann den zweten Teil des Interviews =)
Herzlich, Nanny Anny

 

 

3 Gedanken zu “Was hatte man früher für eine Vorstellung von Erziehung? Ein Interview

  1. Huch, du hast es also tatsächlich veröffentlicht. Es hier zu lesen ist irgendwie komisch. Das Foto oben stammt aber aus einer Zeit vor meiner „Kinderzeit“. Sieht schön aus, stammt aber wohl aus Zeiten meiner Oma. Die Kinder darauf könnten meine Eltern sein. Aber egal, ich hätte auch eines beisteuern können wie damals ein Familiefoto aussah! LG ☼Sigrid☼

    Gefällt mir

  2. Interessant. Ich bin selber Vater zweier Söhne und ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht sicher bin, ist die Erziehung ein sehr merkwürdiges Thema. Oft, sehr oft, nun eigentlich sogar so gut wie immer stelle ich fest, dass ich meine Kinder ermahne oder zu Dingen auffordere, weil ich weiß, dass es nicht richtig ist. Leider habe bzw. hätte ich als Kind es genauso gemacht und ein Teil von mir (das Kind im Manne 😉 ) findet es auch nicht schlimm und würde es den Kindern am liebsten erlauben.
    Allein das Wissen um die Konsequenzen veranlasst einen dann doch, verantwortungsvoller zu erziehen, als man im Herzen eigentlich ist. Oder anders gesagt: Wenn man als Kind denkt, dass man so nie zu seinen Kindern sein wird, dann muss man als Vater (oder Mutter) leider sagen, dass man es doch ist.
    Und warum? Nur weil man die Bälger liebt und nicht will, dass es ihnen schlecht geht und man sie zu selbstverantwortlichen und selbstbewussten Menschen erziehen will und nicht zu kleinen Psychopathen.

    Jaja, das ist echt eine Aufgabe für sich! 🙂

    Liebe Grüße

    Yannick

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  3. Da gebe ich dir recht Yannick. Ich selbst wurde streng erzogen und sehr oft ermahnt und ganz klar musste auch ich „Forderungen“ stellen in der Erziehung, z.B. zu lernen, Hausaufgaben zu machen, höflich zu sein zu Nachbarn. Von nichts kommt nichts – sagt man nicht einfach nur so, denn ganz ohne Ermahnungen geht es wohl in keiner Erziehung, aber ich habe immer versucht, meine Forderungen und Erwartungen zu begründen und mit meinen Söhnen zu besprechen, um ihre Einsicht zu erreichen, was sicher auch nicht immer gelungen ist, aber das kommt ja morgen im 2. Teil. In einem Interview kann man sicher nur einen Ausschnitt darstellen der Erziehung. Z.B. war einer meiner Söhne in der Pubertät sehr schwierig, hatte schulische Schwierigkeiten. Ganz sicher geht es da nicht nur mit Nachsicht weiter, sondern auch mit Aufzeigen der Konsequenzen und auch Druck! Man kann einfach nicht alles erlauben oder tolerieren und manches muss man sogar verbieten, obwohl man selbst nicht davon überzeugt ist, aber die Gesellschaft hat eben auch ein Wörtchen mitzureden – nicht nur wir Eltern.
    Ja, ein schwieriges Thema über das man sich stundenlang auseinandersetzen könnte 🙂

    Gefällt 1 Person

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