Interview Teil 2.

Wie versprochen kommt heute der 2.te Teil des Interviews mit Sigrid.

Sigrid blogt genau so lange wie ich, seit August 2015. Auch dir Sigrid: Herzlichen Glückwunsch zum kleinen halbjährigen Jubiläum! Sie ist Mutter von 2 Söhnen, war lange in der Elternarbeit tätig (Kindergarten, Grundschule und Gymnasium und ist nun pensioniert. Auf ihrem Blog geht es um Wandern, Reisen und Radeln. Ausserdem hat sie noch eine andere tolle Rubrik: Die Küchenplauderei. Aber schaut selbst!

Im 2.ten Teil geht es um das, für damals, späte Mutterglück und die Frage, ob sie selber ihre Kinder so erzogen hat, wie sie erzogen wurde, oder was sich änderte. Auch von ihrer  jahrelangen Arbeit als Elternvertreterin wird sie uns heute erzählen, wie sie die heutige Erziehung erlebt und was die den heutigen Eltern Rät…(oder eben nicht rät)

Viel Spass beim lesen und liebe Grüsse aus Bern!

Du wurdest ja spät Mutter, wie kam es dazu, man bekam ja früher noch relativ früh Kinder?

Das hatte sicher etwas mit meiner strengen Erziehung zu tun und auch, dass ich raus wollte, weg vom Land und viel erleben wollte, jedenfalls mehr als meine Eltern bzw. meine Mutter, die darin aufging Hausfrau und Mutter zu sein und die finanziell von meinem Vater abhängig war.  Sie hat das aber nie als Manko empfunden.  Für sie gab es keine andere Bestimmung als „Frau und Mutter“ zu sein, obwohl sie einen Beruf hatte.

Mein Wunsch war es dagegen Stewardess zu werden.  Damals ein absoluter Traumberuf für mich. Neben der Realschule lernte ich deshalb Spanisch. Englisch war ja Pflichtfach in der Realschule.  Leider musste ich früh erfahren, dass ich nicht die Standardmaße hatte. Ich war zu klein. Trotzdem lernte ich fleißig weiter und wollte Fremdsprachen-Korrespondentin werden. Das ging natürlich nicht ohne weitere schulische Bildung. Nach dem erfolgreichen Realschulabschluss setzte ich bei meinem Vater mit viel Überredungskunst durch, noch die Höhere Handelsschule besuchen zu dürfen.wo ich alles lernte, was für einen kaufmännischen Beruf wichtig war: Stenografie, Schreibmaschine schreiben, Buchhaltung, Volkswirtschaftslehre, Commercial English, Französisch und nebenbei noch eine komplette hauswirtschaftliche Ausbildung (kochen, nähen, stricken, häkeln).. Davon profitiere ich heute noch 🙂 Und auch „blind schreiben“ auf der Tastatur habe ich dort bereis mit 16 Jahren gelernt, was ich bis heute beherrsche und sogar später Realschülern in Kursen beigebracht habe.

Nachdem ich also so lange „gelernt“ hatte, wollte ich auch beruflich davon profitieren und erfolgreich sein. Vor allem aber finanziell unabhängig.   Als ich 21 Jahre alt war, zog ich erst mal zu Hause aus in eine eigene Wohnung. Das führte erst mal zu einem Bruch mit meinem Vater, der sich aber später wieder „kitten“ ließ.  Zudem zog ich kurze Zeit später mit meinem Freund zusammen – in „wilder Ehe“ und wir trotzten allen Überredungskünsten doch heiraten zu müssen. Zusammenleben ohne zu heiraten war Anfang der 70er Jahre zwar schon möglich, aber durchaus noch „unmoralisch“.

Von 18 bis 35 war ich ununterbrochen berufstätig  und habe sehr gut verdient.  Mein damaliger Freund studierte damals noch längere Zeit und ich sorgte durch mein gutes Einkommen für solide finanzielle Verhältnisse, die uns erlaubten viele Reisen zu unternehmen.  Als er dann auch verdiente, galt es erst mal das Leben zu genießen, Reisen zu machen, völlig unabhängig entscheiden zu können, was wir beruflich machen wollten. Wir hatten ja keine Existenzängste so ganz ohne Kinder.   Wir konnten uns vieles leisten und mussten auf nichts verzichten.

Ich war damals der Meinung – und bin es bis heute – dass man Kinder erst in die Welt setzen sollte, wenn man selbst beruflich und finanziell etwas erreicht hat, charakterlich gefestigt ist, den Kindern eine solide Basis bieten kann – für uns war es damals sogar das eigene Haus – das wir gekauft haben. Finanzielle Sicherheit war uns sehr wichtig bevor wir Kinder bekamen, denn wenn schon Kindern, dann wollten wir auch, dass ein Elternteil für sie voll und ganz da ist und die Kinder ein „Nest“ haben und nicht von anderen betreut werden müssen.  Deshalb bekam ich meine beiden Söhne mit 35 und 38 Jahren und war die älteste Mutter weit und breit.  Ich habe das nie bereut, hatte nie das Gefühl wegen der Kinder auf etwas verzichten zu müssen.  Finanziell gut gestellt in dem Alter, konnten wir auch weiterhin mit den Kindern Reisen unternehmen und ihnen Wünsche erfüllen, was mit einem kleineren Verdienst einfach nicht möglich gewesen wäre.

Hast du deine Kinder genauso erzogen wie du erzogen wurdest, oder was hatte sich in der Zwischenzeit verändert?

Manche Prinzipien habe ich tatsächlich von meinen Eltern übernommen, so z.B. dass ich glaube ich recht konsequent war, aber immer alles ausführlich mit meinen Jungs besprochen und unglaublich viel mit ihnen unternommen und gespielt habe. Die drei Z finde ich heute noch richtig: Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit. Genau hinhören, sich die Zeit nehmen, die ein Kind braucht, geduldig sein, viel schmusen und knuddeln, in den Arm nehmen, trösten, Verständnis zeigen, Talente und Fähigkeiten fördern, sei es in der Schule oder beim Sport.   Halt einfach eine liebevolle Erziehung mit ganz viel Verständnis, aber auch konsequent sein. Nein ist nein und darüber wird nicht diskutiert – z.B. Fernsehen,  lange aufbleiben, Hausaufgaben nicht erledigen.   Da war ich streng und darüber gab’s keine Diskussion.  Weil eines wollte ich nie: Dass mir die Kinder auf der Nase herum tanzen und überhaupt keine Regeln akzeptieren.  Denn Kinder brauchen Halt und Verlässlichkeit.

 

Wie hast du die Elternarbeit erlebt in den Schulen?

Da ich über einen langen Zeitraum Elternarbeit gemacht habe – ca. von 1991 bis bis 2007 – ist diese Frage zu allgemein.Anfangs in der Grundschule hat die Elternarbeit viel Freude gemacht, das Organisieren von Schulfesten, Ausflügen, Feiern war interessant, bereichernd und lehrreich.  Ich müsste also  weit ausholen, weil sich da so viel verändert hat, aber ganz allgemein gesagt, ich fand es zum Schluss – also am Gymnasium und kurz vor dem Abitur –  ungemein anstrengend, weil die Eltern sich viel häufiger und vehementer „eingemischt“ haben und die pädagogischen Fähigkeiten von Lehrern oft in Frage gestellt wurden, wenn die Noten nicht den Erwartungen entsprachen.

Mein Eindruck ist, dass sich die Einstellung der Eltern zu Schule und Lehrern sich sehr verändert hat, aber das mag subjektiv sein.

 

Elternarbeit im Kindergarten ist was völlig anderes als in der Grundschule und später im Gymnasium, wo alle unter Druck sind, gute Noten brauchen und Stress mit Lehrern sich auch direkt darauf niederschlägt.   Wie gesagt, waren im Kindergarten alle noch völlig entspannt, wurde das Klima zwischen Eltern und Lehrern später –  kurz vor den Abiturprüfungen –  viel rauer.

 

 

Wie erlebst du die Erziehung / Eltern / Kinder heute? (Enkelkinder?)

Keine Meinung, da ich keine Enkelkinder und wenig Einblick habe bei anderen Großeltern. Fast alle meine Freundinnen haben noch keine eigenen Enkelkinder und deshalb mag ich mir da keine Meinung bilden.

Was mich allerdings sprachlos gemacht hat:  Im Urlaub haben junge Eltern ihre Kinder mit Tablets (Video) bespaßt, um in Ruhe essen zu können.  Also Tablet aufgestellt, Video an  und Kind war ruhig gestellt – Kinder unter einem Jahr.  Wir haben uns gefragt, ob das wirklich nötig ist.

Was würdest du den Eltern heute raten?

Steht mir nicht zu Eltern was zu raten.  Heutzutage wachsen die Kinder in einer völlig anderen Umwelt auf als damals meine Söhne  – 1987 und 1989 – geboren sind sie  noch weitgehend ohne Medieneinflüsse aufgewachsen – Handys gab es glaube ich erst als die so 10 Jahre alt waren.  Fernsehen durften sie nur mit mir zusammen schauen und auch nur sehr, sehr selten. Erst als sie älter waren, wurde der Fernsehkonsum aufgestockt.  Eigene TV-Geräte im Zimmer gab es erst ab 15 Jahren.   Ich weiß nicht, wie es heute wäre, Kinder zu erziehen. Ich glaube schwieriger!

 

 

 

 

 

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