Motzeltern erstreiten bessere Noten für ihre Kinder

„Schulleistungen zu benoten, ist für Schweizer Lehrer oft eine Zitterpartie. Eltern wollen bei Prüfungs- und Zeugnisnoten vermehrt das letzte Wort haben. Eine Primarlehrerin gesteht in der Zeitschrift «Bildung Schweiz»: «Manchmal benote ich das Kind weniger streng, einfach, um meine Ruhe zu haben.» In Ruhe gelassen werden will sie von einem Elternpaar, das ihr den Berufsalltag zur Hölle macht. «Sie schauen mir genau auf die Finger, überprüfen die Lernziele, fragen nach Belegen für dies und jenes.“

„Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands, bestätigt: «Aus Angst vor einem grossen Elternknatsch machen Lehrer aus einer 4 eine 4,5 oder aus einer 4,5 eine 5.»Für die Lehrer sei es schwieriger geworden, Noten zu geben und Leistungen zu beurteilen.“

Quelle: 20min

Anmerkung : In der Schweiz ist die 6 Bestnote.

Eigentlich sollte es heute um den Lernberg von Vera Birkenbihl gehen. Doch diese Schlagzeile, die heute auf der Titelseite der 20 Minuten, einer kostenlosen Zeitung die jeder Pendler unter anderem in der Hand hat morgens, prangerte ist mir einen Beitrag wert. Denn ich kann meine Entrüstung nicht zurück halten.

Auch ich habe eine Primarlehrerin kennengelernt die sich ähnlich geäussert hat. “Man muss vorsichtig sein was man sagt und wie man benotet!“ Ein anderer Lehrer auf einer Fortbildung meinte: „Die Eltern sollten viel weniger Sprachrecht in der Schule haben, es ist extrem mühsam!“ Ja, es ist schrecklich und das ist nicht untertrieben, denn auch in der Krippe mischten sie extrem mit, zum Leidwesen der Kinder und der Erzieherinnen. Man will das Beste für das Kind. Doch kann man das erzwingen? Anscheinend schon!

Mama und Papa werden es schon richten!

Werden diese Eltern, dann auch an die Uni kommen und den Professoren das Ohr abkauen, bis das Kind die gewünschte Note erreicht? Kommen diese Eltern mit in den Betrieb und schimpfen mit dem Ausbilder in der Lehre, wenn er das Kind nicht so gut beurteilt? Sollten Noten nicht nach der gebrachten Leistung erfolgen und nicht nach den Wünschen und Vorstellungen der Eltern? Über das Schulsystem lässt sich streiten, darum ging es auch in meinem letzten Beitrag.

 Was ist mit den Eltern, die den Lehrern und ihrem Urteil vertrauen?

Sind deren Kinder benachteiligt? Sieht ganz so aus! Und was suggeriert uns diese Schlagzeile? Sei aggressiv, geh den Lehrern auf die Nerven, die geben eh nach! Tut mir leid, dafür habe ich absolut kein Verständnis. Ja, es ist anstrengend mit gewissen Eltern immer wieder zu streiten und sich immer wieder zu erklären. Aber deswegen nachgeben um des Friedens willen?

 Was bringt man denn diesen Kindern bei?

Trete aggressiv auf, dann bekommst du was du möchtest? Oder: Mama und Papa retten dir immer deinen Hintern wenn es mal nicht so super lief! Knapp vorbei ist nicht immer ganz daneben, denn Muddi kommt und geht dem Lehrer so lange auf die Nerven, bis der keine Nerven mehr hat und du das bekommst was du möchtest, was dir „zusteht“?!

Liebe Eltern, aufwachen!

Ihr wollt sicher das Beste für euer Kind. Doch kann das Kind eben nicht überall die Bestnote haben. Das Kind kann nicht immer der Beste sein, überall. Jedes Kind hat seine Stärken und Schwächen. Und will man nicht, dass die Pädagogen das Kind fördern, wo es nötig ist? Das Kind beurteilen, nach eigenem Ermessen? Machen Pädagogen umsonst Jahrelang ein Studium, eine Ausbildung? Allgemein lässt sich beobachten, dass es Eltern es eh immer besser wissen. Der Psychologe sagt, das Kind sei nicht hochbegabt? Schleppen wir es zum nächsten, der erste muss sich geirrt haben. Noch absurder ist die Antiimpfbewegung. Jahrelange Studien werden ausgeblendet, Gerüchten im Internet und im Umfeld wird mehr geglaubt. Denn ausserdem hat man ja da öfter was gehört vom Schwager sein Nachbar, dessen Tochter hat doch da mal was in der Richtung geäussert…

Sorry liebe Eltern, ich bin einfach sauer. Denn kaum werdet ihr Eltern, glaubt ihr DIE Experten für alles zu sein was das Thema Kind betrifft.

 „Haben Sie Kinder?“ wird immer wieder mal gefragt, wenn man Eltern Empfehlungen oder seine Meinung abgibt. Auch auf Nachfragen der Eltern musste ich mir mal in einem Gespräch anhören: „Sind sie Ärztin? Woher wollen sie wissen, dass meine Tochter nicht altersgemäss entwickelt ist? Nun ja, die Tochter war drei Jahre alt und hatte den Entwicklungsstand einer einjährigen. Das darf man doch wohl äussern, dass sie eben nicht Altersgemäss entwickelt ist, auf Nachfragen der Eltern. Denn nach siebzehn Jahren mit Kindern, hat man wahrscheinlich mehr dreijährige zu Gesicht bekommen als die betroffenen Eltern. Und Nein, ich habe keine Therapie oder sonstiges empfohlen, da mir und anderen Erziehrinnen, das auch nicht zusteht.

 Sagt man denn einem Arzt:

„Haben sie (irgendeine beliebige Krankheit einfügen)? Nein? Dann können sie mir wohl kaum sagen, was ich jetzt tun soll. Sie haben keine Kompetenz mir zu sagen was ich tun soll, da sie nicht betroffen sind und ich es besser weiss! “ Macht man das? Nein? Warum wohl? Man vertraut seinem Urteil. Man vertraut darauf, dass er durch sein Studium, etlichen Fortbildungen plus durch seine Erfahrung genau weiss was zu tun ist, damit es einem besser geht.

Warum müssen sich Lehrer, oder allgemein Pädagogen ständig rechtfertigen, sich ducken?

Ich würde mir wünschen, dass man sich das mal durch den Kopf gehen lässt.

 

Schönes Wochenende

 

Nanny Anny

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5 Gedanken zu “Motzeltern erstreiten bessere Noten für ihre Kinder

  1. Das Bewusstsein, sich eine in den eigenen Augen angemessene Bewertung zu erstreiten, existiert auch später noch an den Unis. Ein Professor berichtete von anderen Dozenten, die der Bitte von Studenten, gut bewertet zu werden, nachgaben, weil sie keine Lust hatten, sich nachher mit den Eltern oder Anwälten herumzuschlagen.
    Ich würde mich nie im Leben wagen, nach einer bestimmten Note zu fragen und meine Eltern waren zu Schulzeiten immer der Ansicht, dass ich die jeweilige Note auch verdient hatte. Ob gut oder schlecht.

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  2. Dazu kann ich beitragen, dass ich hier an einem italienischen Gymnasium eine Unterrichtseinheit verlegen musste, weil einer von 27 Schülern an einem Tag zu einer Sportveranstaltung musste/ sollte, die Eltern aber fanden, dass er auf jeden Fall das Recht habe, an beiden Veranstaltungen (meinem Kurs und dem Wettbewerb) teilzunehmen. Da wage ich gar nicht daran zu denken, was passiert, wenn diese Eltern sich über eine Note ihres Sohnes beschweren, wahrscheinlich bekommt er dann gleich in allen Fächern eine Note besser.

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  3. Pingback: Über Rechtfertigungen im sozialen Beruf | Der wahre Super Nanny Blog

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