Überwachung? Nein, danke!

Diese Woche verfolgte ich gespannt eine Diskussion in einer deutschen Facebook Gruppe für Eltern. Da fragte eine Mutter nach, ob denn jemand bereits Erfahrung hatte mit einer GPS Uhr für Kinder für schlappe 160 Euro. Das Ding sah putzig aus, ich geb es ja zu. Aber die Funktion und die Kommentare die ich zu Gesicht bekam waren es weniger…

„…Und meine Mutter meinte, wir sind früher auch ab 4-5 Jahren im Dorf rumgezogen und hätte sie die Möglichkeit gehabt zu erfahren wo wir stecken, hätte sie es auch gern genutzt, so hatte sie halt immer ein mulmiges Gefühl und konnte nicht gescheit denken bis wir wieder da waren…

Hmm, ja und wie man sieht hat diese Dame es überlebt. Und ich glaube die Mutter auch. Ich bin kein Fan von „Früher war alles besser!“ aber in diesem Fall, glaube ich fest daran dass es früher besser war, zumindest in dieser Beziehung. Man ging nach dem Mittagessen raus und kam abends wieder heim. Man machte seine Erfahrungen, wuchs an ihnen und vor allem: Man überlebte! Mein Gott, wie haben wir das nur früher geschafft ohne Überwachung, GPS und Handys?

„24/7-Überwachung… Wenn ich das schon lese… Ich bin einfach kein Fan davon, einem Kind unter 10 Jahren schon ein Handy zu kaufen. Da finde ich solche Uhren, die nicht nur der Ortung dienen, sondern mit denen die Kinder die Eltern auch anrufen können (und evtl. auch umgekehrt) gar nicht verkehrt. Muss vielleicht keine so teure sein wie die oben vorgestellte. Aber die Idee an sich finde ich gut! Wer lieber keinen Plan hat, wo sich seine Kinder aufhalten oder sie lieber erst gar nicht von der Hand oder aus den Augen lässt, der muss sich so ein Ding ja nicht zulegen.“

Da wird also impliziert, Erwachsene die ihre Kinder nicht überwachen sind schlechte Eltern ja? Oder gar Helikopter Eltern, da sie ihre Kinder nie alleine laufen lassen. Interessant. Wie wäre es mit Erziehung und Vertrauen? So als Alternative? Denn ein Perverser lässt sich durch so eine Uhr nicht abschrecken, das Kind zu entführen, oder sich vor dem Kind zu entblössen oder das Kind anzufassen. Diese Überwachung via GPS lässt euch lediglich wissen wo das Kind ist. Das ist aber auch schon alles. Und falls es entführt werden sollte, glaube ich kaum, dass heutzutage noch jemand nicht weiss, dass diese XXL Uhren auch einen GPS Sender drin haben 😉 24/7 Überwachung..dazu werden Eltern dann wohl neigen, wenn das Kind mal 17 / 18 Jahre ist und mal über Nacht weg bleibt. Denn wer kein Vertrauen in sich und seine Erziehung hat und kaum los lassen kann, der wird das auch nicht tun, wenn das Kind älter wird, im Gegenteil.

„Als wir letztens im Playmobil Funpark waren wurde alle 2 Minuten ein anderes Kind ausgerufen. Die hätten mal lieber solche Uhren getragen. Ich finds eigt eine gute Idee. Besser, als wenn das Kind verschwunden wäre.“

Und dann geht man ins Internet mit dem Handy und sucht das Kind, auf dem Bildschirm. Und rennt alles über den Haufen was im Weg steht, da man ja diesen kleinen Punkt auf dem Monitor verfolgen muss. Aha. Meist wurde es, bis die Eltern da mal online sind und wie Ferngesteuert rumlaufen, abgegeben und ausgerufen. Ein Vergnügungspark ist gross, es laufen viele Kinder rum, das eigene gleich auf Anhieb zu finden nur aufgrund dieser Uhr halte ich für Utopisch und an den Haaren herbeigezogen. Ansonsten, ohne die Überwachungsuhr a la „Big Brother“ werden die Kinder abgegeben am Meetingpoint oder wo auch immer und beim nächsten mal (je nach Alter) benötigen die Eltern eine andere Organisation (2.jährige lässt man nie aus den Augen, sorry!) oder die Kinder lernen dazu und weichen in diesen Parks nie wieder aus den Augenwinkeln der Eltern.

Aber zum Glück gab es noch Eltern, die dieses „Ding“ ablehnten, zu recht wie ich finde.

Dürfen Kinder bei euch auch freie Kinder bleiben wo fängt es an wo hört es auf mein gott dann sollte man als Elternteil vllt mal überlegen ob man nicht vllt einfach ein paar mal mehr nach dem Kind schaut walkie talki finde ich ja noch ganz ok aber GPS Uhr jetzt mal ehrlich spinnt ihr das einzige wo ich das in Ordnung finde schul und Heimweg da ist es in Ordnung.“

„Meine (4) würde das Ding irgendwo liegen lassen und weg wäre es…“

„Go Pro Camera auf die Stirn, Problem gelöst!* Achtung!! Ironie

Der einzige Fall, wo diese Uhr gerechtfertigt ist, zumindest ein wenig…damit man Opa schneller findet, wenn der wieder aus dem Altersheim auf Entdecker Tour unterwegs ist.

Das hab ich auch schon in Erwägung gezogen für meine tochter…. und für meinen opa weil der langsam senil wird…“

Natürlich wollten die (99%)  Mütter nicht hören, was sie so beim Kind anstellen, mit ihrer Paranoia und das es halt einfach nichts bringt und kein Schutz ist, wenn man die Kids überwacht. Pochten auf Meiungsfreiheit (mal wieder) aber ich sollte gefälligst den Rand halten und weiter „gehen“. Ausserdem: Ich hab noch von keinem Kind gehört, dass in einem Notfall das Handy zückte: „Hallo Mama, da steht gerade ein Mann und lockt mich ins Auto!“ (Fügen Sie hier bitte ihr Horrorszenario ein!)  und natürlich stand die Mutter bereits am nächsten Eck parat, dank GPS und dem Anruf des Kindes über das Handy  und schlug den bösen schwarzen Mann in die Flucht! Habt ihr von solchen Situationen gehört?

Ich glaube nicht, dass wir in einer gefährlichen Zeit leben

Ich glaube die Zeit wirkt auf uns nur so gefährlich, weil mit unserer Angst Geld gemacht wird. Jedes Unglück, weltweit wird in ungefiltert und in Echtzeit in unser Wohnzimmer transportiert, früher wusste man nicht mal was im Nachbarsdorf passiert. Und wenn was passieren sollte, wird keine GPS Uhr der Welt und kein Handy und keine Kamera uns und unsere lieben davor schützen.

Ich denke wir sollten unsere Kinder so erziehen, dass sie wissen wie sie sich verhalten sollen, wenn ihnen jemand zu Nahe kommt. Und wir sollten ihnen und vor allem unserer Erziehung vertrauen, statt sie zu überwachen und so ein völlig falsches Signal zu senden.

Eure Meiungs ist wieder gefragt; Wie steht ihr dazu?

 

Bis bald,

 

Nanny Anny

5 Gedanken zu “Überwachung? Nein, danke!

  1. Ich finde das du an sich recht hast, aber ich finde solche GPS Sender gerade bei jüngeren Kinder eigentlich nicht verkehrt. Nur fände ich es klasse, wenn die wirklich nur die Polizei auslesen kann und nicht die paranoide Mutter, die ihr Kind kontrollieren will. Da gibt es so kleine Tierchen für die Schnürsenkel, die so funtionieren. Die dienen eben doch als Schutz im Ernstfall und nicht als Überwachung.

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  2. Toller Beitrag, der genau das zum Ausdruck bringt, was ich auch meine. Es geht heute ja schon in der Schwangerschaft los. Das sogenannte Baby-TV beim Frauenarzt. Dann geht’s mit den Angel-Care-Matten weiter, usw. Ich mag so technische Spielereien, ich interessiere mich dafür. Aber in meinen Schwangerschaften habe ich mich dann doch überwiegend nur von der Hebamme betreuen lassen, die Würmchen haben bei mir im Bett geschlafen, und zwar – und jetzt bitte weghören – in Bauchlage.
    Wie soll ein Kind denn Selbstvertrauen aufbauen, wenn es merkt, dass ich ihm nicht vertraue?
    Und wie du schon schreibst: Was bringt es mir als Elternteil? Meine Eltern waren immer wach, bis ich wieder daheim war. Auch als ich bereits 20 war. Und es gab jedes Mal Stunk, weil sie sich Sorgen gemacht hatten. Meine 20 Jahre jüngere Schwester schaltet ihr Handy einfach aus, wenn sie weg ist. Sie hat keinen Bock auf nervige Anrufe. Da kommt dann zusätzlich zur Sorge noch der Ärger über die Sturheit dazu.
    LG, Tina

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