Verantwortung tragen

„Dann hat dieser unmögliche Mensch meinen kleinen Liebling nicht gesehen und ihm die Suppe über den Kopf geschüttet. Wir mussten ins Krankenhaus! Wie konnte er meinen süssen Schatz übersehen?“

„Diese unmögliche Mitarbeiterin  liess den Milchschaum aus der Maschine raus für meinen kleinen Prinzen, wer konnte den ahnen, dass die Milch heiss war. Er verbrannte sich fürchterlich, denn der Inhalt war heiss. Ich werde diese Person / Firma verklagen!“

„Ich sprach dann mit der Erzieherin bei der Übergabe und währenddessen hat meine süsse kleine Fee sich die Hand in der Türe eingeklemmt. Ich dachte immer sie sei gut aufgehoben in der Krippe, aber wenn das schon passiert, wenn ich dabei bin, wer weiss wie die auf unsere Kinder schauen!“

„Ach, das Stillsitzen und sich konzentrieren lernt er in der Schule, wozu hat es denn die Lehrer?“

Was fällt euch auf an den Beispielen hier? In allen vier Fällen versucht man die Verantwortung für sein Kind auf jemand anderen abzuschieben.

Schauen wir uns nur den ersten Fall an

Da hat also der unmögliche Kellner dem Kind die heisse Suppe über den Kopf geschüttet. Meine erste Frage wäre: Warum lässt man sein Kind durch das Restaurant rennen? Zweitens: Hat man sein Kind im Auge, kann das auch schwer passieren. Drittens: Warum ist nun der Kellner schuld, der macht nur seine Arbeit?!

Statt die Verantwortung zu übernehmen, sucht man sich einen Schuldigen. In dem Fall sind es leider immer die Eltern / Betreuungspersonen die ihre Arbeit nicht getan haben. Wenn ein Kind nicht still sitzen kann im Restaurant, muss einer mit ihm vor die Türe, oder man sucht sich ein Restaurant aus mit Spielecke oder holt sich einen Babysitter für die Zeit. Man sollte nicht die Verantwortung für das Kind an das Personal vor Ort übertragen (ausser man gibt sie bei der Ikea Spielecke ab) nur damit man mal ein ungestörtes Schwätzchen halten kann. Denn im schlimmsten Fall, passieren Unfälle die sich vermeiden lassen. Die Leidtragenden sind immer die Kinder.

Zweiter Fall

Da hat sich nun der kleine Prinz an der heissen Milch im Milchschaum verbrannt, so so. Hat er denn den Becher auch selber vom Tresen genommen? Ich wage es zu bezweifen. (Diese Diskussion hat so wirklich stattgefunden in einem Forum) Bei der besagten Firma gibt es kostenlosen Milchschaum für Kinder in Papierbecher. Man merkt doch als Mutter, dass der Inhalt heiss ist, notfalls probiert man den Inhalt vorher in dem man daran nippt. Meist steht noch auf den Bechern: Vorsicht heiss! Wieder mal probiert man die Schuld jemand anderen in die Schuhe zu schieben. Ich wage zu bezweifeln, dass eine Klage hier erfolgreich sein dürfte.

Dritter Fall

Sobald die Eltern die Krippe betreten, übernehmen sie wieder Verantwortung für ihr Kind. Sollte man meinen, dass es auch bei jedem angekommen ist, dem ist leider nicht so. Unfälle wie diese habe ich selber schon ein paar mal erlebt, auch habe ich ein Kind mal vor einer Quetschung in einer schweren Stahltüre bewahrt, während die Mutter mit einer anderen Mutter in der Garderobe ein Schwätzchen führte. Bitte liebe Eltern! Gebt auf eure Kinder acht, denn ihr tragt die Verantwortung wenn ihr da seid um eure Kinder abzuholen, nicht die Erzieherinnen.

Vierter Fall

Das konzentrieren lernt das Kind in erster Linie zu Hause, wenn es in sich versunken spielt. Wenn es darf. Denn viele Eltern beschäftigen ihr Kind rund um die Uhr und geben dem Kind nicht die Freiheit mal für sich versunken und konzentriert zu spielen. Auch abpruptes beenden des Spieles durch einmischen ist nicht gut und förderlich. Meist, wenn das Kind in die Schule kommt, sollte es schon eine  bestimmte Zeit ruhig sitzen und sich konzentrieren können.

 

Das sind alles Denkanstösse, denn mir ist auch bewusst, dass man nicht perfekt ist und Unfälle passieren können. Aber in letzer Instanz tragen wir, die Eltern oder die Nanny die Verantwortung für das Kind und keine Drittpersonen. Und viele Unfälle, wenn auch nicht alle, liessen sich durch Weitsicht vermeiden.

 

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

 

Nanny Anny

3 Gedanken zu “Verantwortung tragen

  1. Ganz tolle und wichtige Denkanstöße. Grad das Thema des vierten Falls, frei spielen und dadurch (Konzentration) lernen, stößt vor allem bei Besuchen der Großeltern an ihre Grenzen. Meine Nichten werden die ganze Zeit bespaßt und betüdelt und wenn nicht betüdelt wird die jüngere getragen, egal ob sie möchte oder nicht. Dauernd ist irgendjemand am hinrennen und dem Kind was zum Spielen geben. Meinem Hexlein passt das nie, beim letzten Besuch endete es sogar damit, dass sie zum Papa auf den Schoß geflüchtet ist. Zuhause darf sie nämlich spielen, wie sie Lust hat und fordert uns auf, wenn sie mit uns spielen möchte.

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    • Sie meinen es ja nur gut, aber eben. Erreichen das Gegenteil mit ihrem Verhalten 😦

      Es ist gut, dass eher Hexlein da Grenzen setzt, die man respektieren muss. Wie Du so schön geschrieben hast, sie kommen von selbst und laden uns ein mitzuspielen.

      LG

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      • Ja, ich weiss auch, dass sie es gut meinen, vermutlich gar nicht anders kennen. Dass Kinder lernen sich selbst zu beschäftigen, wenn man sie lässt und nicht dadurch, dass man dauernd mit ihnen spielt, ob sie wollen oder nicht, das muss ich glaub erst noch durchsetzen.

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