Kinderfotos im Internet

imageStellen wir uns vor: Wir, unvorteilhaft auf ein paar Bildern von der letzen Firmenfeier. Wir, auf der Toilette, mit dem Kopf voran. Wir beim schlafen, ansabbern der Bettwäsche, wir krank im Bett. Wir auf der letzen Party um 6 Uhr morgens, wir mitten in der Nacht auf Schlafentzug. Wir, nackt in der Wanne, am Strand, im Garten.  Wir, auf etlichen Bildern im Internet, für alle ersichtlich, ohne das wir etwas dagegen tun könnten.

Weiteres Szenario

Jeder unserer Tage wird im Internet dokumentiert. Wieviel wir wiegen, was wir essen, welche Wörter wir so benutzen, wie unser Verhalten ist. Jeder kann diese Dokumentation inklusiver Fotos von uns lesen – jeder darf seinen Senf dazu geben. Jeder darf uns mit anderen vergleichen, ohne dass wir uns dagegen wehren können.

Würde uns das passen?

Wie würden wir uns fühlen, wenn unser Partner jeden unserer Schritte im Netz mit der Welt teilt, ohne dass wir ein Mitspracherecht hätten? „XY hat nun 2 kg mehr auf den Rippen, vielleicht sollten wir mehr auf ihr Ernährung achten!“ wäre doch eine nette Bildunterschrift für ein Bild von uns in Unterwäsche, oder nicht?

Teenie verklagt nun  Eltern

„Eine 18-jährige Schülerin aus Kärnten in Österreich hat ihre Eltern verklagt. Der Grund: Sie stellten seit bald sechs Jahren fast täglich Fotos von ihr auf einen eigenen Facebook-Account. «Sie haben mich nie gefragt, ob mir das recht sei», wird die junge Frau auf Ganzewoche.at zitiert.

«Sie kannten keine Scham und keine Grenze. Ob ich auf dem WC saß oder nackt im Kinderbettchen lag – jeder Schritt wurde fotografisch festgehalten und nachträglich öffentlich gemacht», sagt die 18-Jährige. Der Account der Eltern ist von 700 Freunden abonniert. Die Fotos habe sie erst gesehen, als sie sich mit 14 selbst bei Facebook angemeldet habe, sagt sie.

Vater: «Es ist ein Familienalbum»

Der Vater hat dafür offenbar nur wenig Verständnis. Denn: Die Fotos seiner Tochter zu löschen, kommt für ihn nicht in Frage, wie er bei Ganzewoche.at zu Protokoll gibt: «Ich sehe es als mein Recht an, diese Fotos zu veröffentlichen.»

Schließlich sei das sein Kind, und es sei für seine Frau und ihn ein schönes Familienalbum. Voraussichtlich im November wird er sich für den Vorfall vor Gericht verantworten müssen. Laut dem Medienanwalt Daniel Bauer muss der Vater mit Konsequenzen rechnen. Nach dem Datenschutzrecht droht den Eltern eine Strafe von bis zu 10.000 Euro.“

Quelle und ganzer Bericht

 

Falls es den Fall so wirklich gibt, ist das ja schon die Höhe, wenn ihr mich fragt. Der Vater steht stellvertretend für etliche Eltern a la „Mein Kind!“ Aber Stop! Das Kind ist nicht das Eigentum der Eltern, es hat selber Persönlichkeitsrechte die es zu achten gibt. Bedenkt man wie grausam Kinder sein können, machen Eltern ihre Kinder mit solchen Aktionen auch zum Ziel von Mobbing. Von der Peinlichkeit der Bilder mal ganz abgesehen.

Ich hoffe sehr, dass es diesen Fall gibt, damit manche Eltern mal aufwachen. Denn auch ich verwies des öfteren Mütter auf den Persönlichkeitsschutz der Kinder und wurde darauf beschimpft und beleidigt (Warum sind manche Mütter immer so agressiv wenn man sie auf etwas aufmerksam macht?) Auch Aussagen wie: „Ich frage mein Kind ob es ihm Recht ist, dass ich die Bilder veröffentliche!“ zählen nicht. Kein Kleinkind oder Kind der Welt ist sich der Tragweite bewusst. Nicht mal manche Erwachsene sind sich dessen im Klaren.

NetLa

Deswegen finde ich es umso wichtiger Kinder und Jugendliche von Anfang an mit dem Internet und der Tragweite bekannt  machen. Zum Beispiel mit NetLa.So stellt sich die Kampagne auf ihrer Seite vor:

„Der Wert der eigenen Persönlichkeit

Wer den Wert der eigenen Persönlichkeit kennt, wird die Privatsphäre nicht ungewollt preisgeben. Kinder und Jugendliche sind im Internet oft alleine unterwegs. Deswegen ist entscheidend, dass sie sich der Situationen bewusst sind, in die sie beim Surfen im Internet geraten können. So kann die harmlos scheinende Freischaltung eines Fotos in einem sozialen Netzwerk ungeahnte Konsequenzen haben. Zum Beispiel bei der Suche nach einer Lehrstelle.“

Das Ziel

„NetLa – Meine Daten gehören mir!“ ist eine nationale Kampagne, initiiert vom Rat für Persönlichkeitsschutz. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Hanspeter Thür, dem ehemaligen Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB). Das Bedürfnis nach Informationen zum Persönlichkeitsschutz im Internet ist hoch. Die Games und Comics regen zum Nachdenken und Diskutieren an, die Tipps und Tricks vermitteln wichtige Inhalte. Der bisherige Erfolg der Kampagne ist gross: In den ersten neun Monaten verzeichnete die Plattform Zehntausende von Besuchern und über zweieinhalb Millionen Seitenaufrufe.

Die Zielgruppen

Die Haupt-Zielgruppen sind Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 14 Jahren. Um die Nachhaltigkeit der Kampagne sicherzustellen, richtet sie sich auch an die wichtigsten Bezugspersonen: Eltern, Lehrpersonen und Mitarbeitende von Jugendverbänden. Diese vermitteln als wichtige Multiplikatoren Regeln für den Umgang mit persönlichen Daten.

Quelle

In dem Sinne, ein schönes Wochenende ihr lieben und bis bald!

 

Nanny Anny

 

13 Gedanken zu “Kinderfotos im Internet

  1. Liebe Nanny Anny, sehr gut, dass Du in dieser Form über dieses Thema geschrieben hast. Ich like manchmal auf Mamablogs bestimmte Dinge nur deshalb nicht mehr, weil die Kinder auf den Fotos schon zu alt und zu deutlich zu erkennen sind, auch wenn der Text mir eigentlich gefällt. Die Mütter meinen es gar nicht böse, aber ich fühle mich stellvertretend für das Kind schlecht, wenn ich diese Beiträge ansehe. Mir wäre es da lieber, wenn die Mütter alle Blumen, Landschaft, Kuchen, Gebasteltes oder Deko fotografieren.

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  2. Ich habe erst vor kurzem die Facebookseite eines Unternehmens ent-liked, weil sie das Video eines badenden Babies öffentlich weiter geteilt haben. Und nicht nur das, es gab absolut kein Verständnis für meine Einwände bezüglich der Persönlichkeitsrechte des Babies (O-Ton: Solange keine Genitalien zu sehen sind, ist für alles gut.). Sowas geht gar nicht. Ich verstehe auch nicht, wie unverblümt Kinderbilder so öffentlich gezeigt werden. Ganz offentlicht ist nicht nur Teenagern das Ausmaß von Beiträgen auf Facebook nicht klar. Wenn ich tatsächlich mal ein Bild habe, auf dem mein Hexlein mit drauf ist (wie beim Entdeckerturm), dann sehe ich zu, dass so wenig wie möglich von ihr zu sehen ist (das Gesicht sowieso nicht).

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  3. Hat dies auf marasgedanken rebloggt und kommentierte:
    Ich habe schon öfter mit dem Gedanken gespielt, doch Fotos von meinem Kind auf meinen Blog zu tun. Ist es doch das süßeste, entzückendste Kind, das ich kenne 🙂 und ich habe natürlich hunderte von Fotos, eines niedlicher als das andere. Ich möchte jedoch nicht, dass Bilder meines Kindes im Netz kursieren, außerdem sollen sie nicht mit meinem – an vielen Stellen doch sehr ehrlichen – Blog in Verbindung gebracht werden. Deshalb weiche ich nach wie vor auf die Blumenwelt aus und fühle mich wohl damit… Nanny Anny befasst sich gerade mit dem Thema „Kinderfotos im Internet“. Da ich ihren Beitrag sehr lesenswert finde und sie auf ein sehr interessantes Gerichtsverfahren hinweist, reblogge ich ihn für Euch.

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  4. Ich like solche Bilder auch nicht, ich bin der Meinung, was im Netz ist, bleibt da und aus Kindern werden Leute, Menschen, denen das vor allem in der sensiblen Zeit der Pubertät und des jungen Erwachsenensein unendlich peinlich sein wird. Mein Sohn wird bald 24, der Kelch ist an ihm vorübergegangen (ich hätte es aber auch nicht getan). Wenn ich mir vorstelle, das Netzt wär voll mit Bildern von ihm in Windeln, auf der Toilette… an seiner Stelle würde ich meine Mutter hassen. Und außerdem.. mein Sohn war auch ein entzückendes, blondgelocktes, bildhübsches Kleinkind, wer weiß, was sich manch einer denkt, wenn er das sieht… ich mag da lieber nicht dran denken. Allerdings darf man auch nicht außer acht lassen, was man über sein Kind schreibt, auch das wollen „Kinder“ später nicht alles im Netzt dokumentiert haben, jeden Pipi-Unfall und jedes, ach so putzige Missgeschick….
    Danke für den Beitrag!
    Viele liebe Grüße
    Chris

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