Schlafmittel für schreiende Babys…

„Weder Trösten noch der Nuggi hilft: Das Baby schreit die halbe Nacht durch. Das bringt einige Eltern an den Rand der Verzweiflung. «Es gibt solche, bei denen der Leidensdruck mit schreienden Babys so gross ist, dass sie Medikamente gegen Juckreiz wie Fenistil-Tropfen verabreichen», sagt Susanne Fischer, Leiterin der Zürcher Familienpraxis Stadelhofen Schlafberatung. Ihr sei sogar ein Elternpaar bekannt, das sich für sein Kleinkind vom Arzt Ritalin habe verschreiben lassen.“

Quelle: 20.min

Das Leben verändert sich grundlegend mit Kindern

Wenn man Eltern sagt, dass sich das Leben mit Kindern von Grund auf verändert, wird man mit Beschimpfungen eingedeckt. Man hätte ja keine Ahnung, da kinderlos und ausserdem wissen sie ja von XY, dass sie trotzdem noch reisen gegangen sind und nach 3.Monaten ging es für beide retour in den Job. Die 17. Jahre Berufserfahrung, die ich habe Aus- und Weiterbildung zählen da nichts! Eltern wissen es besser- weil sie Eltern sind!

So sieht also die Realität aus, Eltern wollen zwar Kinder, aber es soll doch bitte alles so laufen wie davor und überhaupt, man richte sich doch nicht nach einem Kind. Das Kind hat sich dem Lebensstil der Eltern gefälligst anzupassen, am besten gleich am ersten Tag. Es muss gefälligst funktionieren!

Das eigene Kind betäuben….muss das sein?

Aber wie herzlos muss man sein, wenn man seinem eigenen Fleisch und Blut Medikamente gibt damit es endlich mal die Fresse hält? Ja, das ist überspitzt formuliert, aber seinem Kind beruhigende Mittel geben ist einfach Misshandlung. Darüber hinaus, wissen es diese Eltern ja eh meist besser, da sie den Expertenschein für Kinder erworben haben bei der Geburt ihres Kindes und sich meist Beratungsresistent oder holen sich im Vorfeld auch niemanden mit ins Boot der wirklich Ahnung hat. Ja, ich verstehe den Leidensdruck, aber warum holt man sich keine Hilfe? Oder hat man dazu keine Zeit und es ist bequemer Mittelchen zu verabreichen?!

Warum man überhaupt Kinder bekommt, wenn man sich nicht darauf einstellen mag bleibt mir folglich immer ein Rätsel. Und ja, ich kenne das, wenn ein Kind durch schreit und sich nicht beruhigen lässt, ich war auch Nachtnanny, da die Eltern es eben nicht mehr aushielten. War ein harter Job, aber nach ein paar Monaten hat man dann eine Strategie wie das Kind durchschlafen kann oder man holt sich Hilfe beim Kinderarzt und geht ins Schlaflabor. Und ja, es geht auch ohne Schlafmittel und ähnliches, ehrlich!

Es ist keine Schande sich Hilfe zu holen 

Ja, ich kann verstehen, dass man sich das leichter vorgestellt hat, da die Mutter vom XY immer erzählt, dass ihr Baby nach 2. Monaten durch schlief. Und bei der Tante vom „Sowieso“ war das ähnlich. Auch die Nachbarin äusserte sich in diese Richtung. Und auch eine Mutter, die mal bei mir nachfragte ob ich nicht für 100 CHF die Nacht später auf ihre Ungeborenen Zwillinge Nachts aufpassen würde, war felsenfest der Meinung, diese Summe sei gerechtfertigt, da man eh die meiste Zeit schlief und die Babys 2-3 mal maximal (!) und er Nacht aufwachen würden. Nun ja, man kann es den Leuten wenig verübeln, wenn sie die Realität nicht kommen sehen, da viele Eltern auch lügen um sich und ihre Sprösslinge besser da stehen zu lassen. Das Kind quasi als Egoverlängerung.

Bitte, informiert euch bevor ihr Kinder zeugt!

Was braucht ein Kind? Wie ist der Entwicklungsstand? Was mache ich wenn ich nicht stillen kann? Was mache ich wenn mein Kind nicht durch schläft? Nicht richtig trinkt? Was gibt es für Kinderkrankheiten? Ab wann spricht man von Fieber? Was mache ich bei Verdauungsstörungen? Wie muss ich mein Leben gestalten, dass ein Kind darin Platz hat? Und nicht das Kind muss sich seiner Umwelt anpassen, sondern die Umwelt an das Kind zumindest für die erste Zeit. Geht das in Ordnung mit meinem Berufs- und Privatleben? Welche Hilfe und Unterstützung gibt es? Bin ich bereit Opfer zu bringen? Wie organisiere ich mich? Was für Hilfsangebote gibt es bei Problemen?

Das sind nur einige der Fragen die es man sich stellen sollte bevor man ein Kind in die Welt setzt. Für alles gibt es eine Gebrauchsanleitung, Schulungen, Aus- und Fortbildungen…aber nicht für Kinder und wie man mit ihnen umgeht. Deswegen ist es die Pflicht der Eltern, dem Kind gegenüber sich schlau zu machen!

„Aber früher ging es auch ohne!“

Früher starb die Mutter auch teilweise bei der Geburt des Kindes….

Nun ja, früher, da wohnten die Generationen noch alle unter einem Dach und man profitierte vom Wissen der älteren. Das ist heute leider nicht mehr so. Und wehe die Erzieherinnen oder die eigenen Eltern sagen etwas, dann ist man beleidigt und lässt sich sowieso nichts sagen! Weil man es als Mutter oder Vater eh besser weiss. Also würde das Modell „Früher“ heute gar nicht mehr funktionieren.

Hier habe ich ein spannendes Interview mit einem Kinderarzt vom Kinderspital Zürich gefunden zum Thema Schlafstörungen bei Kindern:

Wie werden Eltern im Kinderspital Zürich beraten?

„Wichtigstes Arbeitsinstrument ist das Schlafprotokoll. In dieses werden die Schlafgewohnheiten des Kindes eingetragen. Zusätzlich füllen die Eltern einen Fragebogen aus. In der Schlafsprechstunde wird dann mit den Eltern eine ausführliche Anamnese durchgeführt. Dabei erfährt der Arzt vieles über die Schwangerschaft, Geburt, familiäre Situation und Rollenverteilung innerhalb der Familie. Weiter wird das Kind klinisch untersucht. Anschliessend werden die Eltern beraten.“

Ganzes Interview, hier

Ich kann euch leider auch kein Geheimrezept verraten, da jedes Kind anders ist und was bei A klappt, kann bei B verkehrt sein. Nur BITTE, Medikamente verabreichen ist in gar keinem Fall ok. Sucht euch Hilfe, einen Babysitter, wechselt euch ab, eine Tagesmutter im Tagesmutter Verein, eine Studentin…was auch immer. Aber tut das euren Kindern nicht an.

 

 

Schönes Weekend,

 

Nanny Anny

8 Gedanken zu “Schlafmittel für schreiende Babys…

  1. Ich weiss nicht, wenn so überhaupt gar nichts hilft, auch keine Nähe, Tragen etc., dann schau ich doch nach dem Grund, WARUM mein Baby die halbe Nacht schreit. Oder nicht? Klar, es gibt Schreikinder, aber auch die schlafen in den meisten Fällen irgendwann und sei es halt „nur“ in der Trage oder im Tuch. Aber sie schlafen. Und damit kann man als Elternteil auch einen Weg finden, zur Ruhe zu kommen. Dazu machen, das fällt mir immer wieder auf, viele den Fehler die Schlafphasen des Babies für Haushalt und Co. zu nutzen, anstatt sich selbst auszuruhen. Das kann nur nach hinten los gehen, besonders in den ersten Monaten, in denen die Nächte bei den meisten doch eher durchwachsen sind. Sich Hilfe zu holen, sei es Schreiambulanz, Haushaltshilfe, Babysitter whatever ist keine Schande. Es gibt doch diese ganzen Berufsgruppen eben, WEIL wir nicht mehr mit mehreren Generationen unter einem Dach leben. Warum also das KnowHow nicht nutzen? Nur weil man zu stolz ist? Das ist traurig.
    (Ich hab meist schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich ab und an beim Zahnen Schmerzmittel gebe, auch wenn es echt nicht anders geht, weil immer mehrere Zähne zugleich kommen und da die üblichen Mittel nicht mehr helfen.)

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    • Hallo Ilaina!

      Der Perfektionismus erlaubt den Eltern meistens nicht mal den Haushalt links liegen zu lassen und auch die Fähigkeit sich zu organisieren hat nicht jeder. Ein Kind haben bedeutet nun mal auch „Organisation“ ob es die Leute wahrhaben wollen oder nicht. Und es ist wahrlich keine Schande, wenn es halt mal nicht so sauber ist, oder die Wäsche mal einen Tag liegen bleibt. Aber daran scheitert es ja. Eltern führen einen Krieg gegen andere Eltern, in dem der als Gewinner raus geht, der alles perfekt macht, was das auch immer heissen mag. Jeder will das beste, klügste, bravste Kind zu Hause haben..was absoluter Bullshit ist.

      Auch ich gebe in Rücksprache mit den Eltern Medikamente, wenn es nötig ist. Aber eben..bei Schlafproblemen mal nach dem Grund forschen statt Kind ruhig zu stellen…warum das diese Eltern nicht hinbekommen ist mir schleierhaft.
      Ich schätze mal, dass viele sich wie gesagt an anderen orientieren und sich Elternschaft zu easy peasy vorstellen. Das Kind läuft quasi zum alten Leben so nebenbei mit.

      Auch das Argument „wir haben niemanden der uns unterstützt, Familie usw.“ gilt für mich nicht als Entschuldigung. Heutzutage gibt es X Hilfsangebote, auch bezahlbare. Aber die Familien isolieren sich immer mehr im privaten statt sich ein Netzwerk aufzubauen in der Nachbarschaft, in Familienzentren usw.

      Schade, die Kinder tun mir einfach nur noch leid. Apotheker und Ärzte sollten verpflichtet werden, wenn sie einen Verdacht haben die Schutzbehörden anzurufen. Für mich ist das eindeutig Missbrauch!

      Liebe Grüsse,

      Nanny Anny

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      • Hallo Nanny Anny, ja der Perfektionismus. Aber wo kommt der her? War das schon immer so? Oder warum auf einmal ist es Eltern so unglaublich wichtig, was andere über einen denken, anstatt sich Gedanken darum zu machen, was für das Kind und sie selbst das Beste ist? Wenn man das mal ergründen könnte, ich glaube, da käme einiges zutage.

        Liebe Grüße,
        Ilaina

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      • Guten morgen Ilaina =)

        Ich glaube das kommt von der Erziehung die, diese Menschen genossen haben. „Du musst der beste / die beste sein!“ Man gibt das dann weiter an die Kinder in der Erziehung…mein Kind muss alles besser können als andere, das zeichnet mich dann als guten Elternteil aus…quasi als Egoverlängerung. Ich meine, ist ja auch toll, wenn man von anderen Eltern neidisch angeschaut wird und einem alle sagen wie toll man das mache oder was für ein tolles Kind man hätte. Und ja, Menschen mit geringem Selbstwertgefühl geben halt eine menge darauf was andere von ihnen denken. „Was sollen denn die Nachbarn denken?“ ganze Generationen sind mit diesem Satz aufgewachsen, auch ich. Schlimm sowas, denn wenn man danach geht, dürfte man das Haus nicht mehr verlassen.

        Liebe Grüsse,

        Nanny Anny

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  2. Ein Thema, das für mich tatsächlich eine Nische darstellt – schönen Kommentiert-Sonntag 🙂 Mich erinnert der Artikel an deinen anderen Blog, weil er sehr wütend klingt. Wütend über Eltern mit zu hohen Ansprüchen und dem fehlenden Bewusstsein, dass alles hätte anders laufen können. Ich kann verstehen, dass dich das wütend macht, aber ich frage mich, ob Vorwürfe ein gutes Gegenmittel sind. Ich habe keine Kinder, aber es ist nicht immer einfach, sich Hilfe zu holen. Es ist eine große Hürde, sich ein Problem einzugestehen und es bewältigen zu wollen.

    Es hätte es schön gefunden, wenn du einen Artikel mit Schlaftipps verlinkt hättest – natürlich funktioniert jedes Baby anders, aber Anregungen sind gut 🙂 Außerdem fand ich den Titel missverständlich – ich dachte, es geht tatsächlich um Schlaftipps…

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    • Hallo Evy….niemand der bei klarem Verstand wäre, würde Schlafmittel für Babys anbieten 😉

      Entschuldige, dass ich das so auf den Punkt bringe. Auch Schlaftipps, muss jeder für sich herausfinden was hilft und sich informieren wie bereits im Artikel zu Wort gebracht.

      Und ja, wer sich keine Fehler eingestehen kann oder nicht in der Lage ist sich Hilfe zu holen, der sollte a) endlich mal erwachsen werden und b) & sich eingestehen wahrscheinlich eine falsche Entscheidung getroffen zu haben & zwar die ein Kind in die Welt zu setzen.

      Alles muss funktionieren, aber so geht das mit den Kindern nicht. Ich bin nicht wütend, ich bin entsetzt…und verurteile jeden scharf, der sein eigenes Kind so „still legt“.

      Schönen Kommentier Sonntag =)

      Ps. Auch eine Pädagogin darf mal scharfe Worte anschlagen ohne gleich wütend oder verbittert zu klingen. Im Endeffekt kann es mir egal sein – es sind nicht meine Kinder 😉

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  3. Wir haben hier momentan mit einem Schub und Bauchschmerzen zu kämpfen. Dass sowas vorkommt und die Nächte sich deutlich ändern war auch vorher klar. Dennoch zehrt es mehr an den Nerven, als ich dachte.

    Trotzdem würde ich nie auf die Idee kommen, meinem Baby Medikamemte zu geben, damit es schläft! Abends gibt es hier eine Bauchmassage mit Windsalbe, dann wird gekuschelt und geschaukelt und irgendwann schläft das Baby dann ein. Nicht immer einfach, aber es funktioniert 🙂

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