Wichtige Infos für Nannies (CH)

Was brauche ich um als Nanny arbeiten zu können?

Wenn man als Nanny arbeiten möchte  empfehle ich entweder den Lehrgang  zur Nanny SRK  vom Kanton Zürich©  

Oder:

Eine Ausbildung zur Sozialassistentin oder Erzieherin bzw. FaBe. Da „Nanny“ keine geschützte Berufsbezeichnung ist, darf sich jeder der Kinder betreut so nennen. Deswegen verwechseln Eltern auch oft die Nanny mit der Tagesmutter. Wo die Unterschiede liegen und auf was man alles achten muss bei der Bewerbung erklärte ich bereits in diesem Beitrag. Für Ausländerinnen braucht es auch: Eine Arbeitsbewilligung!

Auch Erfahrung mit Kindern in einem Haushalt (Babysitting oder eigene etc.) ist hilfreich um eine Position als Nanny zu bekommen, es braucht nicht dringend eine Ausbildung, aber den Erste Hilfe Kurs mit Kindern (& einen aktuellen Strafregisterauszug) Der macht sich einfach immer gut und man ist gerüstet für den Notfall. Man muss den auch alle 2. Jahre wiederholen, da sich viel tut. Viele Eltern unterstützen euch finanziell, da sie ja auch im Notfall davon profitieren.

Portale und Nannyagenturen

Man kann über Nanny Agenturen eine Stelle suchen oder über diverse Portale. Ich werde hier gezielt keine Werbung machen, aber Dr. Google steht euch Rede und Antwort Innerhalb von ein paar Sekunden. Einfach Hauspersonalvermittlung, Nannyvermittlung oder Stellenmarkt Kleinkinderzieherin / FaBe oder Nanny eingeben in die Suchmaske.

Ihr könnt euch auf den Portalen registrieren mit einem schönen Foto (bitte keine Kinder mit auf den Bildern haben ohne die Erlaubnis der Eltern) und einem ausführlichen Steckbrief. Gebt am besten euren Stundensatz an, falls das nich gefragt wurde beim registrieren um „feilschen“ zu vermeiden mit den Eltern. Die Portale sind meist kostenlos und es empfiehlt sich nicht für sie zu zahlen, da sie  nicht automatisch mehrere Eltern auf eure Profile lenken. (10 Jahre Erfahrung meine lieben, daher kenne ich mich sehr gut aus)

Finger weg von Agenturen die euch nicht persönlich kennenlernen wollen bevor sie euch vermitteln. Auch Vorsicht ist geboten, wenn die Agenturleiterinnen mit euch zum Vorstellungsgespräch kommen wollen. Ihr seid alt genug um da alleine hinzugehen, oder würdet ihr gern noch eure Mami mit dabei haben? Meiner Ansicht nach absolut unprofessionell. Hört auf euer Bauchgefühl, das trügt nie. Es gibt auch genügend schwarze Schafe unter den Agenturen!

Das Vorstellungsgespräch

Bei den Eltern empfiehlt es sich hinzuhorchen wenn ihr die einzige Betreuerin seid auf die sie sich verlassen. Wenn ihr krank werdet, bricht da alles zusammen und ihr dürft euch dann was anhören. Viele verlangen gar, dass man trotzdem rein kommt…geht gar nicht, auch den Kindern gegenüber nicht! Im Optimal Fall gibt es noch Plan B. Denn niemand ist so isoliert, nirgends, dass er den nicht hat. Zumeist die Familien die sich eine Nanny leisten können auch nicht am Hungertuch nagen.

Auch würde ich euch raten die Formalitäten in einem Vorgespräch am Telefon im Vorfeld zu klären. Nichts ist auf beiden Seiten enttäuschender, als Zeit aufzuwenden um dahin zu gehen, um dann enttäuscht feststellen, dass beiderseitiger Vorstellungen weit auseinander klaffen.

Ich klärte immer im Vorfeld folgende Punkte:

  • Pensum der Arbeit, Arbeitszeiten, Urlaub, Überstunden
  • Wie viele Kinder? Wie alt?
  • Allergien? Wissenswertes zum Thema Ernährung, Krankheiten etc.?
  • Was sind meine Aufgaben?
  • Muss ich den Haushalt managen?
  • Hat es Haustiere?
  • Wird ein Führerschein erwartet, bzw. Fahrten mit den Kindern?
  • Und klar, das Gehalt!

Erst wenn mir alles zusagte, ging ich auf ein Vorstellungsgespräch. Es erspart einfach Zeit und Nerven auf beiden Seiten.

Wenn ihr dann da seid, bitte seid pünktlich und ordentlich gekleidet, die Basics eben. Was ihr am Wochenende macht (klar könnt ihr Hobbys erwähnen)  geht niemanden wirklich was an, genauso wenig, ob ihr ausserhalb der Arbeitszeiten raucht. So lange ihr das nicht in der Arbeit macht oder so, dass es Kind und Eltern riechen ist das eure Privatsache. Allen Eltern ist das sehr, sehr wichtig, dass die Nannies Nichtraucherinnen sind was, wie ich finde, einfach niemanden etwas angeht, so lange es vor der Arbeit und in der Arbeit unterlassen wird!

Ihr solltet nie länger wie 1 – 1.5 Stunden bei der Familie bleiben. Klar, es ist schön und gut das Kind und die Eltern kennenzulernen, doch viele Eltern verwechseln ein Vorstellungsgespräch mit Probearbeiten…

Das sollte erst ein paar Tage später stattfinden, damit ihr euch das in Ruhe durch den Kopf gehen lassen könnt. Auch solltet ihr im besten Falle mit den Eltern ab machen, dass das Probearbeiten bezahlt wird. Manche nutzen nämlich die Gunst der Stunde und schummeln sich so raus aus der Verantwortung die Betreuung der Kinder zu zahlen,  getarnt unter dem Mantel des „Probearbeitens“

Probearbeiten

Pünktlich sein ist das A und O, sollte jedem klar sein. Doch auf was kommt es an beim Probearbeiten?

Die Eltern oder ein Elternteil sollten zu jederzeit präsent sein. Das Kind kennt euch nicht und umgekehrt. Ausserdem ist Probearbeiten die Zeit um auch die Eltern und den Haushalt kennenzulernen. Schreibt euch wichtiges auf und stellt alle Fragen die ihr habt. Schliesslich wollt ihr keine bösen Überraschungen oder nach 3. Wochen euch nach einem neuen Job umsehen. Die Zeiten des Probearbeitens sollten schon im Vorfeld geklärt worden sein.

Seid aufmerksam, achtet darauf was die Eltern so an Informationen abgeben zu den Kindern, zum Haushalt. Ein absolutes No go ist:

  • Lästern über die vorherige Arbeitsstelle (für beide Seiten)
  • Euch gleich alleine lassen mit den Kindern
  • Mangelhafte und fehlende Kommunikation (Mutmassungen)
  • Vorsicht auch: Wenn Kinder angeschrien werden etc.
  • Kinder wickeln müssen (Ich finde das bei der ersten Begegnung irgendwie komisch)

Wenn dann alles passt, geht es weiter zum Vertrag. Auch hier gilt es einiges zu beachten. Anbei ein Mustervertrag im Monatslohn.

ACHTUNG: Das ist ein Basic Mustervertrag. Es empfiehlt sich unbedingt noch eine präzise Stellenbeschreibung mit hinzuzufügen. Wenn spezielles abgemacht wird, muss das unbedingt auch in der Vertrag mit aufgenommen werden. Also Augen auf, nichts vor Ort unterschreiben, falls Zweifel bestehen. Lieber den Vertrag in Ruhe zu Hause durchlesen und euch Gedanken machen oder den Vertrag mit den Eltern ausarbeiten.

Probezeit ist für gewöhnlich einen Monat, kann aber auch bis zu 3.Monaten ausgedehnt werden z.B bei Krankheit der AN.

Bei Schwierigkeiten

Wenn es zu Problemen kommen sollte, könnt ihr das entweder mit den Eltern direkt besprechen, was ich euch als erstes rate oder mit der Agentur die euch vermittelt hat. Wenn es sich nicht lösen lässt, könnt ihr am Arbeitsgericht euch kostenlos beraten lassen. Mehr infos hier:

Rechtsauskunft des Arbeitsgerichts

Zeiten: Montag, Mittwoch und Freitag, 08.30 Uhr bis 11.00 Uhr und 13.30 Uhr bis 16.00 Uhr
(ohne Voranmeldung; es ist mit längeren Wartezeiten zu rechnen)
Ort: Bezirksgericht Zürich, Arbeitsgericht, Wengistrasse 30, Parterre (keine telefonischen Auskünfte)
Für wen? Maximal 12 Personen pro Halbtag.
Keine öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnisse.
Nur in deutscher Sprache; bitte lassen Sie sich bei mangelnden Sprachkenntnissen durch eine Deutsch sprechende Person begleiten.

Quelle: Arbeitsgericht Rechtsaufkunft Zürich 

Euer Arbeitgeber erfährt davon gar nichts und ihr könnt euch erst mal Rat holen. Wenn alles nichts bringt was man euch geraten hat, müsst ihr nochmal hin und ihr bekommt eine Klagebewilligung, die geht erst mal an einen Friedensrichter, der vermitteln möchte – wenn das nicht klappt, geht es weiter vor Gericht.

Streitwert unter 30.000 CHF ist kostenlos. Das bedeutet, euch kostet das alles nichts so lange der Streitwert unter 30.000 CHF ist. Viele Nannies wissen das nicht und klagen nicht aus Angst vor Kosten oder Konsequenzen. Lasst euch nicht ausnutzen! Auch ihr habt Rechte wie jeder AN auch. Viele Familien scheinen das aber zu vergessen, vor allem auch, weil sich zu wenig Nannies wehren. Lieber wechseln sie x mal die Arbeitsstelle. Viele auch ohne ein anständiges Arbeitszeugnis oder mit unbezahlten Überstunden.

 

Hier bekommt ihr einen Einblick in die Rechtslage als Nanny bzw. Hausangestellte, ich würde euch raten das durchzulesen bevor ihr anfangt als Nanny tätig zu sein.

 

Alle Angaben ohne Gewähr! Falls es noch etwas gibt, dass ich ergänzen sollte, bitte lasst es mich wissen!

 

 

 

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