Über Anstand, Respekt und Wertschätzung gegenüber Nannys

Allgemein lässt sich die Tage beobachten, wie der gegenseitige Respekt und die Wertschätzung den Bach runter gehen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch hier in der Schweiz. Zumindest empfinde ich das in meinem Beruf so. Die Wertschätzung gegenüber Erzieherinnen oder Nannys läuft gegen 0. Aber wehe sie sind dann mal nicht da, dann ist das Geschrei gross. Man erinnere sich nur an die Demos der Erzieherinnen und das Gejammer der Eltern und anderen Menschen als die Krippen und Kitas dicht machten.  Ich werde heute ein paar Punkte aufzählen die so gar nicht gehen, aus meinem Nanny Leben.

22:30 Uhr

„Ich dachte du bist eine Nachteule!“ so entschuldigte sich eine Mutter, die mich gegen 22:30 Uhr anrief, nach dem sie mich am  Vortag versetzt hatte.  Um den nächsten Einsatz zu besprechen. Aber von vorne. Ich betreute sie mit ihrem 4 Monate alten Sohn, eine bis drei Nächte die Woche. Normalerweise läuft das über die Agentur, aber sie fragte weiter Termine einfach so bei mir an, alles mündlich. Ich hätte am Mittwoch um 8 Uhr morgens bei ihr sein sollen für ein paar Stunden zur Entlastung. Den Abend davor war ich in der Stadt auf einem Konzert, ging eher nachhause, um am nächsten Tag fit zu sein.

21 Uhr kam dann eine SMS, gerade als ich zur Türe rein kam, sie benötige meine Hilfe doch nicht, die grosse sei krank, schon die ganze Woche. Ja, danke auch.  Schön, fällt dir das nicht mal 12 Std vor Einsatzbeginn auf und ein.

Abend versaut & eine finanzielle Einbusse.

Dann rief sie auch noch spät abends an am nächsten Tag…Sorry, gehts noch?! 22:30 Uhr!! Ich hatte schon fast geschlafen. Das geht nicht. Respekt, Anstand, Wertschätzung…vermisste ich in dem Augenblick sehr. Sehr. Denn das Thema des Telefonats hatte noch eine Woche Zeit gehabt zum besprechen. Es eilte nicht. So gar nicht.

Habe ihr dann mitgeteilt am Donnerstagmorgen sie wende sich doch für weitere Anfragen in Zukunft direkt an die Agentur. Hat sich zwar entschuldigt, aber das war bereits das zweite mal, dass sie mich versetzte. Das erste mal, schickte sie mich nach einer Std bereits nach Hause. Tochter war krank, weinerlich, Einsatz unmöglich.  Hätte man das schriftlich gemacht über die Agentur im Vorfeld, hätte sie 3 volle Stunden zahlen müssen. Einmal..ok. Zweimal…in zwei Wochen. Nope! In anderen Berufen wäre das so auch nicht gegangen.

Dass sie sich nie wieder meldete, brauche ich nicht zu erwähnen. Aber so geht niemand mit mir und meiner Zeit um.

Eltern die sich nicht entscheiden können

Eine andere Mutter die ich über ein paar Einsätze über die Agentur kennenlernte rief mich in meinem Urlaub an. Ok, geschenkt, die paar Minuten. Verwickelte mich dan in eine 45 Minuten Unterhaltung, auch easy. Brauche jemanden für den Mittwoch und am Weekend, kein Problem. Einigten uns dann, dass ich mich melde, wenn ich wieder da bin um den Vertrag schriftlich festzuhalten. Mündlich war ja alles geklärt. 3 Tage vor Arbeitsbeginn sagte sie mir ab. Meldete sich aber 2 Monate später mit der gleichen Anfrage. Sagte ihr, sie solle sich mit der Agentur zusammensetzen, ich hätte kein Interesse mehr.

Eine andere Mutter – fragte an, war auch alles geklärt, mündlich,  nur damit sie mir 2 Tage vorher absagt. Aussage: „Haben nun jemanden vom roten Kreuz für die nächsten drei Wochen, melden uns danach nochmal!“ Nö, für mich ist es hier erledigt. Ich kann keine Tage reservieren, Standby – kostenlos versteht sich, schon wieder, und wenn sie dann jemanden günstigeren gefunden haben, sagen sie mir wieder ab.

Ich verstehe Eltern die es sich nicht leisten können, aber man muss uns Kinderbetreuer auch verstehen. Standby ist nicht. Wir verdienen so unser Geld, unsere Brötchen, unseren Lebensunterhalt. Für Miete, Lebensmittel und Co. Da wir nicht „ordentlich“ bezahlt werden für das was wir leisten, können wir es uns nicht leisten einfach so Tage auf gut Glück für Familien zu reservieren, kostenlos, sondern nehmen Anfragen rein wie sie kommen. Zusätzlich zu unseren festen Jobs. Da ist kurz vor Einsatzbeginn absagen einfach nicht so toll.

Man stelle sich nur vor, wir Nannys würden so mit den Familien umspringen. Man verlangt von der Nanny und anderen Kinderbetreuern unter anderem Zuverlässigkeit. Und dann benimmt man sich so.

Die, die auf Portalen nicht antworten

„DRINGEND! Suchen wir einen Babysitter / Nanny etc.“ 

So die meisten Suchanfragen auf Kinderbetreuungs Portalen. Von ihnen hat sich noch NIEMAND die mühe gemacht ein kurzes Feedback auf die Bewerbung zu geben. Dann wundern sich aber die Eltern, warum sich auch niemand mehr die grosse Mühe dort macht sich zu bewerben. Das hat für mich auch viel mit Wertschätzung, Respekt und Anstand zu tun.

 

Man nahm mir so klar Worte schon mal übel

Ich habe schon mal zu solchen Eltern position bezogen auf meiner Facebookseite. Das nahm mir eine Mutter sehr übel. „Dich würde ich so nicht einstellen wollen für meine Kinder!“ Ja, easy, kein Problem. Wenn es nicht ok ist in deinen Augen FAIR zu sein und das auch einzufordern, dann möchte ich da eh nicht arbeiten. In anderen Berufen kann man auch nicht sich beliebig Tage reservieren und dann nach Lust und Laune absagen. Kein Handwerker, Monteur, Arzt würde das mitmachen. Auch hier bei Ärzten muss man 24 Stunden vorher absagen, sonst wird das berechnet. Krankheit und Co sind noch mal was anderes! Wertschätzung ist keine Einbahnstrasse.

 

Eltern vertrauen uns ihre Kinder an

Behandeln uns aber teilweise unter aller Kanone, denn das sind nur ein paar Beispiele. Und ja, das darf man nach aussen kommunizieren, damit sich einige den Kopf machen und ihr Verhalten hinterfragen. Auch der Rest der Welt darf wissen, wie mit uns umgesprungen wird.  Warum sollte ich schweigen zu alle dem?

Klar, es gibt auch tolle Familien, das steht ausser Frage. Doch je mehr ich mich mit anderen Nannys und Babysitter auseinandersetze, desto mehr erlebe und höre ich, das Gegenteil. Auch am eigenen Leib. Und das ist schade. Man bezahlt seiner Putzfrau auch teilweise mehr, und ist bereits zu verbindlicheren Abmachungen, als der Frau die auf das eigene Fleisch und Blut aufpasst und es gegebenenfalls auch erziehen soll. Das muss man erst mal sacken lassen.

 

 

Schönes Wochenende ihr lieben,

 

 

Nanny Anny

 

10 Gedanken zu “Über Anstand, Respekt und Wertschätzung gegenüber Nannys

  1. Oh Gott das klingt ja schrecklich teilweise. Ich habe ja noch nie mit Kindern oder Eltern gearbeitet, aber kenne auch einige Geschichten von Freunden die als Nanny hier oder in Übersee gearbeitet haben. Da musste ich mich sehr zusammen reißen so manchen Eltern nicht einen Besuch abzustatten wenn man bedenkt was sie erwartet haben und mit welcher Behandlung sie meinen Freunden entgegen kamen. Wirklich schwache Leistung von manchen Eltern und auch schade. Weil wie du sagst : Du bist schließlich die Person, die sich um ihre Kinder kümmert, da tut ein bisschen Respekt nicht weh

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

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    • Wie gesagt, es gibt auch tolle Familien. Bin ja bei einer 4 Tage die Woche, seit 3 Jahren. Aber eben..es gibt auch solche Fälle, an denen weder Respekt noch irgendwie eine gewisse Wertschätzung herrscht. Wie gesagt…in anderen Berufen würde das so auch nicht gehen, ohne dass die Leute finanziell zur Kasse gebeten werden. Bei den Betreuern ihrer Kinder scheinst das ok. Sagt auch einiges über die Leute aus 😉

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  2. Oh, ich bin etwas baff. Ich hab vor vielen Jahren mal auf Minijobbasis gearbeitet, über die Firma der Mutter, eingesetzt aber für die Kinderbetreuung. Das lief auch teilweise echt blöd (Absagen und sowas), aber bei weitem nicht so heftig. Da war der Punkt, dass ich zur Kinderbetreuung eingestellt war, da sehe ich ein, die Wäsche des Kinds zu sortieren, fürs Kind zu kochen etc., aber nicht, bei ihr die Putzfrau zu spielen und ihre kompletten Einkäufe zu Fuß zu erledigen, damit sie nichts mehr machen muss. Wir haben keine Nanny, aber ich bin unseren Erzieherinnen immer dankbar für die tolle Arbeit, die sie täglich leisten.

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    • Ja, das muss ich nun bei der Familie auch tun. Einkaufen, kochen, ab und an bügeln, Besorgungen usw.

      Aber sonst haben die eine Putzfrau für die groben Dinge, zum Glück.

      Wie gesagt, sind nicht alle Familien so, aber viele. Eine Dame fragte mich auch mal, ob ich denn keine Kinder mag, ich verlange zu viel Geld pro Stunde.

      Als ob Nannys oder Erzieherinnen nicht mit Geld das Leben bezahlen, sondern mit Kinderlachen…

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      • Mich verwundert das sowieso, jedem „Personal“ wird ordentlich Geld bezahlt, aber die Nanny ist nichts wert. Wie Eltern auf die Idee kommen, Kinder zu betreuen sei nichts tun und keine Arbeit? Aber das geht mir auch als Vollzeitmama so, dass es Eltern gibt, die meinen, drei Kinder haben sei Freizeit und keine Arbeit.
        Wenn Du Kinder nicht mögen würdest, würdest Du den Job nicht machen.
        Mein Job endete damals auch unangekündigt plötzlich, nachdem das Kind einmal nicht mehr mit Mama gehen wollte, vermutlich reiner Zufall.

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      • Viele haben wirklich das Gefühl man mache es, weil es ja Berufung ist und was Spass macht darf nichts kosten da es keine „richtige“ Arbeit ist.

        Sind aber mit ihren eigenen 2 Kindern restlos überfordert. Dann noch einkaufen, kochen & Kinder betreuen, raus gehen und all das…ist Ihnen viel zu viel.

        Aber nicht gut bezahlte Nannys machen eben auch einen lieblosen Job. Haben Geldsorgen, sind leicht reizbar und überarbeitet, weil die andere Jobs nebenbei machen müssen. Gerade hier in der Schweiz.

        Wer das für seine Kinder möchte – meinetwegen.

        Ich werde es auch nach diesem Job, wenn die kleine in den Kiga kommt an den Nagel hängen und Sozialpädagogik studieren.

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      • In der Schweiz ist es doch sowieso alles heftiger, um überhaupt leben zu können bei den Lebenshaltungskosten und wenn man mal krank wird.
        Ich halte es bei unseren Erzieherinnen auch für Berufung, zum Glück! Aber wieso das in der „Logik“ mancher Leute bedeutet, dass man damit dann kein Geld verdienen soll? Haben die dann auch Berufe, die sie hassen? Denn sonst könnten sie ihre Firma doch auch unbezahlt unterstützen?
        Der fehlende Respekt für Kindererziehung und Kinderbetreuung nervt mich. Wobei das eben mehr über den eigenen Rollenbegriff dieser Leute aussagt als über Kinderbetreuung. Es gibt auch genug Eltern, die mit einem Kind überfordert sind bzw denen es zuviel ist und die keine Lust haben.
        Schade, dass Du es aufgeben wirst, aber ich kann es verstehen.

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      • Hier ist es auch Berufung, aber ich erhalte trotz 18 Jahre Erfahrung in Kiga, Kita, und Privathaushalten immer noch den gleichen Lohn wie eine, die nach der Ausbildung 3/4 Jahre im Job ist.

        Es gibt keine Steigerung, aber die Ansprüche und Erwartungshaltung der Eltern steigen jährlich. Ich werde auch älter und will irgendwann weniger arbeiten. Gerade ist es 42-50 Std ohne Nebenjob damit ich Reisen, Fortbildungen und das Leben finanzieren kann. Das ist zu viel. Die letzten Jahre waren es auch schon 70-80 Stunden…

        Irgendwann muss man Kompromisse schliessen und sich nach Möglichkeiten umsehen die mit weniger Effort auskommen. Für die Lebensqualität ist der Job den ich jetzt habe gut, viel Freiraum- aber auch hier verdient die Putzfrau mehr als ich 😉

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      • Oh, in DE ist es noch viel, viel schlimmer. Hatte mal ein Gespräch mit einer renommierten Agentur Chefin in Berlin. Die hat mit mir geredet, als hätte ich noch nie eine Schule von innen gesehen. Hab ihr dann auch Klippen und klar gesagt, dass ich bei ihr sicher nicht unter Vertrag genommen werden möchte und bin gegangen. Wenn die Agentur Chefin schon mit einem redet, als ob man sie anbettelt um Almosen und total von oben herab, dann will ich nicht wissen, wie die Eltern und Familien dort mit ihren Angestellten umgehen.

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