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Das Kapitel „Nanny Anny“ ist Geschichte!

Nein, keine Sorge, ich werde meinen Job als Nanny nicht von heute auf morgen an den Nagel hängen. Aber ich habe beschlossen, dass es der letzte Job sein wird im sozialen Bereich. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich werde etwas anderes machen, nach fast 18. Jahren. Da dieser Blog dann keinen Sinn mehr macht, werde ich ihn stilllegen. Nicht heute, nicht morgen, spätestens wenn ich meine jetzige Stelle nicht mehr habe in 2 Jahren. Denn dann kommt die kleine in den Kindergarten.

Der Plan des Sozialpädagogik Studiums (ich hätte nur noch 2 Jahre hätte bis zum Abschluss) wurde begraben in den letzen Wochen. Es war ein alter Traum, ich hatte ihn seit dem ich 17 Jahre alt war. Aber er ist ausgeträumt. Ich möchte euch auch darlegen warum.

Satt vom ständigen Rechtfertigen

Nach 18 Jahren in meinem Beruf habe ich es einfach satt mich für jeden Schritt rechtfertigen zu müssen oder den berühmten Satz: „DU hast keine Kinder, du hast keine Ahnung!“ Ich dachte immer, wenn ich älter bin, wenn ich nur genug Erfahrung habe, wir man mir Respekt zollen und mein Wort hätte Gewicht. Doch die Wahrheit ist eher das Gegenteil. Es wird als Soz.Päd auch nicht wirklich besser, wenn ich dann mit Eltern pubertierender Kinder o.ä arbeiten muss. Im Gegenteil. Diese Diskussionen die ins nichts führen für alle Beteiligten hab ich so satt. Sollen die Leute doch ihre Probleme mit YOUTUBE lösen und wem anders das Ohr damit abkauen wenn sie die Menschen nicht wertschätzen können die zu 100% für ihren Beruf leben um ihren Kindern das beste zu ermöglichen in den Einrichtungen oder als Nanny.

Miese Bezahlung

Wie schlecht die Bezahlung ist, bei der Verantwortung müssen wir glaub ich hier nicht nochmal besprechen. Auch, dass man als Geldgeil abgestempelt wird, weil man fair bezahlt werden will habe ich langsam bis oben hin gehört. Selbst die Agentur mit der ich zusammenarbeite hat nun ihren Stundensatz von 30 auf 25 CHF netto runtergesetzt, da Eltern nicht bereit sind die vollen 30 CHF zu zahlen. Sorry, aber ich habe keine Ausbildung und so viel Erfahrung gesammelt um dann für einen Lohn zu arbeiten den ich auch in der Gastronomie bekomme. ABER: Dort gibt es zusätzlich noch Trinkgeld. Und weniger Verantwortung. 13 Monatslohn, kannste im sozialen Bereich meist auch knicken, genau so wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld.

Unflexibilität

Als Nanny ist man Fremdbestimmt, muss ständig flexibel sein, als Erzieherin in der Krippe kann man auch nicht so frei nehmen wie man es gerne würde, weil man meist unterbesetzt ist. Auch ist man örtlich gebunden und kann nicht Ortsunabhängig arbeiten. Überstunden werden meist nicht bezahlt, das abfeiern gestaltet sich immer schwierig wegen des Personalmangels. Auch Fortbildungen gestalten sich schwierig in dem Beruf, weil man unterbesetzt ist oder einfach nicht so freibekommt, sondern dafür kämpfen muss, wie Möven um das letzte Stück Brot. Nein, danke!

Glorifizierung der Erzieherin

Als Erzieherin hat man gefälligst auch kein Privatleben zu haben. Was ich da mache oder nicht mache steht auch ab und an zur Debatte oder wie ich mein Leben führe. Es nervt! Man hat mir sogar mal das fluchen auf meinem privaten Facebook Profil „untersagt“ das mache eine Pädagogin schliesslich nicht. Ich schon. Privat, versteht sich. Ich bin nur im beruflichen Umfeld Vorbild. Privat dürfen dann mal die Eltern ihren Kindern die Vorbildfunktion sein. Eltern haben auch mal von mir verlangt, dass ich der Praktikantin das rauchen verbiete, weil sie mal dabei erwischt wurde. In ihrer Freizeit!

Sozialer Beruf ist einfach Asozial

Wie manche Erzieherinnen unter sich miteinander umgehen ist einfach die Härte. Oder mit den Kindern. Aber als einzelne Person ist die Chance gleich 0, dass man auf Missstände bei den Behörden aufmerksam macht UND sich was ändert ohne einen negativen Beigeschmack für die eigene Karriere zu erhalten in Form von Mobbing oder gar Kündigung. Ich habe in 3 Krippen in der Schweiz gearbeitet, von denen 2 nun geschlossen sind, eine hat eine neue Leitung, aber ich weiss auch da durch die Lehrlinge, dass die Zustände prekär sind – immer noch. Doch was will man tun, wenn sie alle untereinander decken? Nichts.

Der fehlende Respekt und Wertschätzung

Wie es um den steht, allgemein im sozialen Bereich, muss ich hier, so glaube ich auch nicht weiter ausführen. Dies gilt aber für alle Berufe, in denen man es mit Menschen zu tun hat. Pflegeberufe und Pädagogen sind gleichermassen betroffen. Als wäre man nichts oder weniger wert, weil man nicht in einem chicen Büro sitzt, sondern mit Menschen arbeitet. Dabei gibt man sein bestes, wenn nicht alles um anderen Menschen zu helfen und erntete nur Spott und Häme, wenn man Anerkennung möchte. Oder einen fairen Umgang.

 

Sicher, es gibt auch andere Familien oder super tolle Kitas und Institutionen. Aber ich habe keine Geduld mehr nach diesen zu suchen. Klar, sag niemals nie, doch nun führt mich mein Weg einfach weiter. In eine andere Richtung.

 

Der neue Weg war vorgezeichnet

Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht, da ich meinen Beruf geliebt habe- über alles. Er war meine Berufung, ich habe für diesen Beruf und für die Kinder gelebt. Ich habe meine ganze Kraft, Energie und viel Geld in Fortbildungen gesteckt um den Kindern, den Eltern und den Mitarbeitern eine gute und kompetente Erzieherin zu sein. Ich habe an mir gearbeitet, unaufhörlich. Um ihnen das beste mit auf dem Weg zu geben. Um ihre Talente zu erkennen, sie zu fördern und den Eltern beratend zur Seite zu stehen. Habe Aufklärung betrieben, habe diesen Blog geschrieben und noch vieles andere. Aber eben. Ich bin es nun leid.

Ich bin ehrlich gesagt auch erleichtert, dass alles hinter mir lassen zu können und einen neuen Weg einzuschlagen, der ebenso meine Leidenschaft ist. Das Schreiben. Ab nächstem Jahr werde ich den Weg einschlagen zur Dipl. Eidg. Kommunikation- und Marketingfachfrau.

Ich bedanke mich bei allen Abonnenten und treuen Lesern und Facebook Freunden und Follower für den Support die letzten 2 Jahre. Die Facebook Seite wird demnächst gelöscht, die „Nanny Anny“ Seite und der Blog bleiben bis ich meine jetzige Nanny Stelle in max 2. Jahren, wenn alles gut läuft, nicht mehr habe.