Stellenangebote aus der Hölle

Die kleine kommt ja nun in den Kindergarten im August und ich bin auf der Suche nach einer neuen Stelle.  Doch was sich mir da wieder anbietet oder unter die Augen kommt: Einfach nur erschütternd. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich es nicht sportlich sehen würde. Einige die mich auf Facebook verfolgen kennen sie schon: Die Jobangebote aus der Hölle. Für den Rest von euch, trage ich das heute mal hier zusammen. Los geht’s!

 

Wir möchten zwar eine erfahrene Nanny, zahlen aber nur den Lohn eines Au-Pairs

Hi there! I’m posting this for whoever is interested to work for a nice Zuricher family.

Their expectations :
– Cordially way of dealing with kids (4.5years/9months now)
– Responsible, motivated and very dedicated
– Being a Medical student/nurse/education is plus and/or speaking Albanian
– Successfull experience of minimum 1 year is a plus
– 100% engagement Mo-Fr. Sat-Sun: Occasional assistance with household or other duties expected
– Flexible in working hours
– You must talk German and or English
– You must meet the required Swiss vaccination plan

What they offer:
– Generous, helpful and guest friendly family
– May participate on e.g. skiing holidays if shown initiative
– They pay a minimum of CHF 800 up to 1000 salary per month. Bonus of up to CHF 500 if dedicated
– They live in Altstetten/Zürich
– Start: Approx Mid November 2018

Mail: aurora.xxxx@gmail.com

Mir gefällt besonders die Beschreibung: Generous – grosszügig. Darauf hingewiesen und nach einigen Fragen, erklärte die Dame, (schon leicht genervt), die im Namen der Familie suchte, das die Arbeitgeber selber Rechtsanwälte sind und das Gesetz kennen. Das haben wir in der Au-Pair- & Nannygruppe angezweifelt. Denn ein Au-Pair braucht ein gewisses Alter, bekommt einen Deutschkurs, eine Unterkunft und die Steuern bezahlt und darf nicht mehr als 30-35 Stunden die Woche arbeiten. Außerdem darf sie nicht alleine mit den Kindern gelassen werden. Was hier eindeutig alles nicht der Fall ist.

 

Sicherlich halte ich mir als Nanny genug Tage frei, damit ich spontan & flexibel auf Anfragen reagieren kann

„Ich suche eine(n) -Nanny für folgende Betreuungszeiten -vormittags und nachmittags Anzahl zu betreuende Kinder -2 Kindesalter -bis 2 Jahre und 3 – 5 Jahre

Job-Beschreibung

Wir suchen ab September eine Nanny, welche 1 Tag/Woche (Preferenztag Donnerstag) auf unsere beiden Kinder (Mädchen 3 J. & Junge 1 J.) aufpasst und auch genügend flexibel ist, spontan an weiteren Tagen zu hüten (z.B. wenn die Kinder krank sind und nicht in die Kita können)“

Die Frage ist einfach nur: Wer zahlt dann meine Rechnungen?

 

Von einer Nannyagentur

„Gesucht wird eine liebevolle, erfahrene und zuverlässige Kinderbetreuerin, welche sich kreativ und umsichtig um die Kinder kümmern möchte. Die gesuchte Person muss ausgewiesene Erfahrung in der Kinderbetreuung vorweisen können und Deutsch oder Englisch sprechen. Im Haus lebt ein älterer Hund (Golden Retriever), daher sollte die Betreuerin keine Angst oder Allergien im Bezug auf Hunde haben.“

 

Man beachte das außerordentlich grosszügige Gehalt, für Haushalt, Hundesitting und Kinderbetreuung und das Pensum.

 

Morgens und Nachmittags Nanny – Mittags Serviertochter

„Suche jemand für meine tochter (1)
Jeweils vo mo- fr zur betreuung bei mir zu hause da ich in meinem Restaurant arbeiten muss und wäre dankbar wann die kleine schläft am mittag um Mithilfe im Restaurant.
Stundenlohn
Arbeitspensum: 50-80%
Nach Absprache“

Keine Pause und dieser unsichere Stundenlohn, so attraktiv. Nicht.

 

Respekt ist keine Einbahnstrasse

„Lieber xxxx

Ich bin sehr interessiert an der Postion. Ich bin 34 Jahre alt und bringe einen grossen Erfahrungsschatz mit. Nach vier Jahren bin ich nun auf der Suche nach einer neue Stelle, da mein Schützling in den Kindergarten kommt, ich bin flexibel, ob wieder als Nanny oder in einer Krippe. Ich habe seit 2003 ein Diplom in Kinderbetreuung und spreche fliessend deutsch, rumänisch und englisch auch etwas spanisch.

Kann sehr gut kochen und backen, im Haushalt anpacken, bin sehr gut organisiert und strukturiert.

Mehr erfahren Sie unter http://www.paulademe.com

Das Passwort zu den Unterlagen ist:

xxxxx

Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören.

Herzliche Grüsse,

Nanny Anny 

11:35
Ciao Nanny Anny … danke fuer Deine Zuschrift. Hört sich gut an … wir sind nicht in der Stadt sondern in Stallikon hinterm Uetliberg…. nicht super weit weg aber ein Auto wäre gut … bist du noch interessiert ?

11:37
hast du ein fötili von dir ?

11:37
Ja, ich wäre noch interessiert. Ein Foto inklusive kurze Vorstellung per Video ist auf meiner Webseite. Foto ist sonst auch hier im Betreuerprofil. Aber ich habe kein Auto. Hab aber geschaut: 35 Minuten von Türe zu Türe

12:45
magst du am samstag zwischen 9 und 11 fuer 15min telefonieren ? Schickst du deine nummer ?

18:30
Nein. Ich mag nicht am Wochenende mit potenziellen AG telefonieren. Ausserdem stehen alle Infos, auch die Telefonnummer in meinen Unterlagen.

Ich ziehe meine Bewerbung hiermit zurück.

Ein AG, der die Privatsphäre der AN jetzt schon nicht respektiert, oder sich ordentlich mit deren Unterlagen auseinandersetzt, mit dem möchte ich in Zukunft keine Geschäftsbeziehung eingehen.

So als kleiner Tipp am Rande: Gleich Dutzen finden viele nicht so lässig. Respekt wird hier gänzlich vermisst. Auf allen Ebenen.“

 

Auch wenn man später in der Familie arbeitet und sich meist Dutze finde ich das von Anfang an nicht sonderlich respektvoll. Ich bin eine erwachsene Frau. Ich habe Respekt verdient, wir „treffen“ uns schliesslich geschäftlich und nicht für Drinks in einer Bar. Wer dann nicht mal imstande ist meine Unterlagen 5 Minuten genau anzusehen (wo alle Infos mehr als ausführlich drin sind, schliesslich ist es eine Webseite!) oder unter der Woche sich Zeit schafft, diese 15 Minuten für ein Telefonat..nun ja, wie sehr wird dieser Chef auf meine Bedürfnisse eingehen? Wie sehr werde ich als Mensch wahrgenommen und wie sehr werde ich oder meine Zeit geschätzt? Eben.

 

Was aber alles bei weitem toppte, war ein Gespräch bei einer Nannyagentur
(Die so heisst, wie die berühmteste Nanny von allen, die mit der grossen Tasche und dem Schirm)

Mein Gespräch kurz zusammengefasst:

Zuerst hat sie mich nicht erkannt, wegen der neuen Haarfarbe und meinte wir hätten keinen Termin.
Dann sollte ich mich ausweisen mit meiner Bewilligung, die sie in keinster Form erwähnt hat, dass ich sie mitnehmen soll.

„Aber alle tragen sie doch mit!“

„Es besteht keine Mitführungspflicht, Sie haben es beim einreichen meiner Unterlagen mit keinem Ton erwähnt!“ 

Nachdem sie überprüft hat, dass ich, wirklich ich bin, in dem sie meinen deutschen Personalausweis ansah, mit mir verglich und eine Kopie davon machte, füllte sie den Personalbogen aus und fragte unter anderem nach ob ich einen Führerschein hatte. Ich verneinte.

Dann fuhr sie weiter fort:

„Sie sind Rumänin?“

„Nein, wie Sie aus meinen Unterlangen entnehmen können bin ich deutsche! Sie haben doch gerade meinen deutschen Ausweis in der Hand gehabt!“

„Sie haben aber eine Bewilligung?“

„Wie sie aus meinen Unterlangen entnehmen können die B! Ich bin bereits seit 2008 in der Schweiz und arbeite auch seit dem auch in der Schweiz!“

„Sie verstehen Schweizerdeutsch?“
(Sie sprach die ganze Zeit Mundart) 

Wie gesagt, ich bin sei 2008 hier, natürlich!“

„Ja, dass Sie in Rumänien geboren sind hat mich etwas irritiert.“🤦‍♀️ 

„Ich kann auch in Timbuktu geboren sein und trotzdem die deutsche Staatsangehörigkeit haben, nicht?“ 

„Wie hoch waren die Stellenprozente die Sie bisher gearbeitet haben?“

„Steht auch alles in meinen Unterlagen!“

Wir kamen dann irgendwann noch auf einen Nenner, und dann bot sie mir eine Stelle an. Sie erzählte ausgiebig von den herzigen Kindern, der Mutter, dem Zuhause in dem sie leben, also alles was ich wissen muss rund um die Familie. Tagesablauf, Hintergrund..eben alles. Um dann festzustellen, dass ich keinen Führerschein habe.

Ich war genervt. Sehr sogar. Weil man sich gar nicht auf dieses Gespräch vorbereitet hatte und ich so etwas umprofessionelles noch nie in meinem Leben erlebt hatte. 

Sie meinte dann, das ich ja sehr klar und direkt bin, da müsse ich daran arbeiten, das käme nicht gut an bei den meisten. Nun ja, ihre „Arbeitsweise“ war halt etwas irritierend. Natürlich bin ich direkt, wenn eine Agentur mit meiner Unterschrift einen ganzen Bruttolohn von den Eltern bekommt, nur weil ich dort unterschreibe. Und dann werde ich so angesprochen, als Auftraggeber in der Agentur. Sorry, 10 Minuten hätten gereicht, richtig zuhören und ein wenig Mitdenken. Dann wäre das nicht so absolut peinlich geworden.

 

Schönes Wochenende,

 

 

Nanny Anny

 

Ansprüche hat man viele. Bezahlen möchte man am liebsten dafür gar nichts.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s