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Methoden zur Umsetzung – Positive Disziplin

Was es mit der Positiven Disziplin auf sich hat, haben wir in den letzen Beiträgen ja schon klären können und auf welchen Grundpfeilern diese Methode steht. Heute soll es darum gehen, wie man das ganze umsetzt. Ich werde anhand ein paar Beispielen erklären, wie es gelingt Positive Disziplin in den Alltag zu integrieren. Diese Informationen sind angelehnt an das Buch von Dr. Jane Nelsen „Positive Discipline, The first three years“

1.Kinder mit einbinden in den Alltag 

A)  Routine zusammen erschaffen
B) Mehrere Möglichkeiten geben
C) Gelegenheiten zum mithelfen geben

A) Kinder lernen unter anderem durch ständige Wiederholungen und Konsequenzen.  Beim lernen ist es sehr hilfreich für das Kind, wenn es Routinen gibt. Am besten man kreiert diese gemeinsam mit den Kindern, wenn sie alt genug sind.

Routine ist überall: Beim aufstehen oder schlafen gehen, beim Essen, einkaufen und so weiter. Dr Jane Nielsen empfiehlt auch eine „graphische“ Darstellung der Routineabläufe, wenn das Kind alt genug ist. So kann das Kind, wenn es ein bestimmtes Alter erreicht hat, dem Erwachsenen selber sagen, was als nächstes ansteht, wenn es zum Beispiel ums essen geht…oder ums raus gehen. So lernt es sich selber zu managen und die diversen Abläufe. Nicht zu verwechseln mit einem Sticker Chart.

B) Karoline ist fünf Jahre alt. Jeden Morgen stellt sie die Mutter vor die gleiche Frage vor dem Kleiderschrank: „Was möchtest Du heute anziehen?“ Das Mädchen ist still und schweig vor sich hin. Die Mutter, wie jeden Morgen, hat es eilig und keine Nerven für die unentschlossene Karoline. Sie nimmt etwas aus dem Schrank und befiehlt: „Wenn du dich nicht entscheiden kannst, entscheide ich für dich. Zieh das nun an, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“ Das junge Mädchen fängt an zu weinen…der Konflikt, bevor der Tag begonnen hat, ist schon vorprogrammiert.

Ich kenne Frauen mit dreissig Jahren, die wissen morgens immer noch nicht was sie anziehen möchten. Die Mutter überfordert das junge Kind mit so einer Frage. Besser wäre es dem Kind mehrere Möglichkeiten zu geben, aus einer Auswahl die man bereits im Vorfeld  für das Kind getroffen hat. So suggeriert man dem Kind, dass es mit entscheiden darf, ein Mitspracherecht hat, z.B: „Wollen wir erst die Socken anziehen oder das T-shirt? Du entscheidest!“ „Würdest du gern den blauen oder roten Pullover anziehen? Du entscheidest!“

C) Erschafft Gelegenheiten, in denen eure kleinen Lieblinge euch helfen können. Ob es beim einräumen der Söckchen in die Schublade geht oder einfach nur etwas kleines tragen. Sie möchten mit eingebunden werden und mithelfen. Es stärkt auch ihr Selbstbewusstsein.  Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

2. Nur ein Kind, dass respektiert wird, respektiert  

„Wie man in den Wald ruft, so hallt es hinaus!“, besagt ein alter Spruch. Gleich verhält es sich mit dem Respekt. Viele Eltern glauben ihre Kinder müssten sie respektieren ohne, dass die Eltern das gleiche für ihre Kinder tun. Quasi eine Einbahnstrasse. Kinder lernen aber durch Nachahmung und vor allem was ihnen zuhause vorgelebt wird. Wenn Konflikte immer durch schreien gelöst werden kann man als Elternteil nicht erwarten, dass die Kinder es anders lösen werden in naher Zukunft.

Ein Kind gehört auch respektiert mit seinen Bedürfnissen und Wünschen. Wenn ich also z.B etwas von dem Kind möchte, z.B ihm mitteilen will, dass wir nun einkaufen gehen müssen, verlange ich nicht, dass es alles stehen und liegen lässt, und mir folgt. Frustration auf beiden Seiten wäre damit vorprogrammiert.

Ich kann z.B höflich sagen: „Wir müssen in fünf Minuten einkaufen gehen, würdest du bitte langsam zum Schluss kommen mit deinem Spiel?“ Oder am Spielplatz: „Du darfst noch drei mal rutschen, oder eine Sandburg bauen, dann müssen wir gehen. Verabschiede dich bitte von deinen Freunden!“ oder je nach dem.

Auch eine kleine Eieruhr kann hilfreich sein, um dem Kleinkind als zeitliche Orientierung zu dienen, die es neben sich hat oder eben in der Hosentasche.

Ein Kind das respektiert wird, ist dazu geneigt sich auch respektvoll gegenüber dem Erwachsenen zu verhalten und kooperativ zu sein. Freundlichkeit und Strenge, ein angemessenes Verhalten, der Situation entsprechend zeigt nicht nur Respekt für die Würde des Kindes, sondern auch der eigenen Würde gegenüber.

3. Humor

„Lachen ist die beste Medizin!“ auch in der Erziehung. Ja, auch mir ist nicht jeden Tag zum Lachen, aber Humor macht wirklich einiges leichter. Da kann es schon mal vorkommen, dass das Kitzelmonster zu den Kindern kommt, die ihre Spielzeuge nicht aufgeräumt haben. Humor ist eine Wunderwaffe! Man kann aus jeder noch so langweiligen Aktivität ein Spiel machen, das Spass macht. „Ich wette du kannst die Spielzeuge vom Boden nicht aufräumen bis ich bis 10 zähle…oder dein Lieblingslied singe…“ Der Phantasie und der Kreativität hier sind auch hier keine Grenzen gesetzt. Niemand sagte, dass Elternschaft einfach sein würde, aber auch niemand behauptete, dass Erziehung bierernst sein muss.

Sicher geht das alles nicht von heute auf morgen und niemand it perfekt,  aber wie heisst es so schön: „Übung macht den Meister!“ 

Mehr zur Positiven Disziplin hier in Kürze.

Schönes Wochenende,

Nanny Anny

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Positive Disziplin – Die 5. Grundpfeiler

Ich möchte nun endlich anknüpfen an die Beiträge über positive Disziplin. Wir wissen nun, was es mit dem ganzen auf sich hat und das es „positiv lernen“ bedeutet. Wenn nicht, bitte die vorherigen Beiträge hier z.B  anklicken. Nun ja, jetzt ist ja das Leben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen und positiv, wie soll das also gehen? Soll ich nun meinem Kind alles erlauben?

Welches Erziehungsziel haben wir als Eltern, als Erzieher?

Als erstes, bevor das Kind das Licht der Welt erblickt, sollte man sich mit seinem Partner hinsetzten und sich Gedanken machen, was man seinem Kind mit auf dem Weg geben möchte. Welche Werte einem selber wichtig sind. Ihr werdet staunen, wie viele werdende Eltern länger über die Kinderzimmerausstattung diskutieren, statt über die wirklich wichtigen Dinge. Aber zurück zum Thema. Wie soll mein Kind sein? Selbstständig und Selbstbewusst? Soll es selber Entscheidungen treffen können? Sich behaupten können im Leben? Sich  durchsetzen? Emphatisch und Hilfsbereit sein? Durchhaltevermögen besitzen?

Hilfreiche Strafen?

Jedem Elternpaar ist etwas anderes wichtig. Was war es bei euch? Ein Kind mit der Methode der positiven Disziplin zu erziehen, bedeutet nicht, dass alles immer rosa und toll ist. Es bedeutet lediglich, dass ich das Kind Grenzen aufzeige, liebevoll. Ohne zu Strafen. Denn wir haben diese komische Vorstellung von Strafen und was sie bewirken sollen.

Aber kein Kind der Welt hat sich besser verhalten, weil es bestraft wurde. Das Verhalten wurde nur „korrigiert“ aus einer Angst heraus, vor einer möglichen Strafe. Es wurde ihm nicht beigebracht,  warum es falsch war sich so zu verhalten. Das Kind lernt dadurch nur,  sich eben nicht erwischen zu lassen.

Auch haben Eltern meist nicht hinter das Verhalten geschaut. Warum benimmt sich mein Kind so, dass ich es „bestrafen“ muss? Welche Bedürfnisse habe ich als Elternteil nicht wahrgenommen, dass sich mein Kind so verhält? Strafen als solches, fordert ausserdem nicht die Kooperation des Kindes sondern den Widerstand.

Was möchte die positive Disziplin erreichen?

Glückliche, selbstbewusste, verantwortungsvolle Menschen, die ohne das Konstrukt der Strafe und ohne Machtspielchen aufwachsen. Die respektvoll erzogen werden, in Kooperation mit den Eltern. Positive Disziplin möchte den Kindern das Gefühl geben, dazuzugehören und, dass ihre Stimme zählt. Positive Disziplin ist streng aber liebevoll.

„A child that feels better, does better!“

Übersetzt in etwa…ein Kind, dass sich besser fühlt, benimmt sich auch besser. Strafen mag zwar das Benehmen sofort stoppen, aber das Kind lernt auf lange Sicht nicht wirklich etwas daraus.

Was sind nun also die Grundpfeiler der Positiven Disziplin?

  1. PD ist Liebevoll aber streng. Liebevoll auf die Bedürfnisse der Kinder eingehend, aber auch streng der Situation entsprechend
  2. Das Kind lernt durch PD Zugehörigkeit und von Bedeutung zu sein
  3. Methoden der positiven Disziplin wirken auf Langzeitbasis
  4. Erlernen von Soft Skills / Lösungsorientiertes denken durch PD
  5. Kinder lernen, dass sie selber fähig sind Dinge anzugehen

Hört sich das gut an? Das ist es auch, ich arbeite seit ein paar Jahren mit dieser wundervollen Methode.  Mehr über Positive Disziplin, bald hier.

Sonnige Grüsse aus Sizilien,

Nanny Anny

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“Der wird ja ganz grooooooß!” – Über kindliche Sexualität, “Doktorspiele” und veraltete Tabus — BABYKRAM & KINDERKACKE

******** TRIGGERWARNUNG: 1. Dieser Artikel ist emotional, besserwisserisch und stellenweise klingt er bestimmt ziemlich von oben herab formuliert. Das liegt daran, dass mir das Thema wirklich am Herzen liegt und an die Nieren geht, wie damit “normalerweise” umgegangen wird. Seht es mir nach, es ist eines meiner Steckenpferd-Themen, auch im Studium. 2. Es geht um […]

über “Der wird ja ganz grooooooß!” – Über kindliche Sexualität, “Doktorspiele” und veraltete Tabus — BABYKRAM & KINDERKACKE

Hallo ihr lieben!

Ich habe bis jetzt noch keinen Beitrag von einem anderen Blogger geteilt, doch dieser erscheint mir sehr wichtig. Ich habe selber mal im anderen Blog das Thema aufgegriffen, allerdings ging es damals nur um den Aufklärungskoffer in der Schweiz und den Reaktionen der Eltern. Toller Artikel, absolut lesenswert.

Bis bald und einen schönen Abend,

 

Nanny Anny

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Überwachung? Nein, danke!

Diese Woche verfolgte ich gespannt eine Diskussion in einer deutschen Facebook Gruppe für Eltern. Da fragte eine Mutter nach, ob denn jemand bereits Erfahrung hatte mit einer GPS Uhr für Kinder für schlappe 160 Euro. Das Ding sah putzig aus, ich geb es ja zu. Aber die Funktion und die Kommentare die ich zu Gesicht bekam waren es weniger…

„…Und meine Mutter meinte, wir sind früher auch ab 4-5 Jahren im Dorf rumgezogen und hätte sie die Möglichkeit gehabt zu erfahren wo wir stecken, hätte sie es auch gern genutzt, so hatte sie halt immer ein mulmiges Gefühl und konnte nicht gescheit denken bis wir wieder da waren…

Hmm, ja und wie man sieht hat diese Dame es überlebt. Und ich glaube die Mutter auch. Ich bin kein Fan von „Früher war alles besser!“ aber in diesem Fall, glaube ich fest daran dass es früher besser war, zumindest in dieser Beziehung. Man ging nach dem Mittagessen raus und kam abends wieder heim. Man machte seine Erfahrungen, wuchs an ihnen und vor allem: Man überlebte! Mein Gott, wie haben wir das nur früher geschafft ohne Überwachung, GPS und Handys?

„24/7-Überwachung… Wenn ich das schon lese… Ich bin einfach kein Fan davon, einem Kind unter 10 Jahren schon ein Handy zu kaufen. Da finde ich solche Uhren, die nicht nur der Ortung dienen, sondern mit denen die Kinder die Eltern auch anrufen können (und evtl. auch umgekehrt) gar nicht verkehrt. Muss vielleicht keine so teure sein wie die oben vorgestellte. Aber die Idee an sich finde ich gut! Wer lieber keinen Plan hat, wo sich seine Kinder aufhalten oder sie lieber erst gar nicht von der Hand oder aus den Augen lässt, der muss sich so ein Ding ja nicht zulegen.“

Da wird also impliziert, Erwachsene die ihre Kinder nicht überwachen sind schlechte Eltern ja? Oder gar Helikopter Eltern, da sie ihre Kinder nie alleine laufen lassen. Interessant. Wie wäre es mit Erziehung und Vertrauen? So als Alternative? Denn ein Perverser lässt sich durch so eine Uhr nicht abschrecken, das Kind zu entführen, oder sich vor dem Kind zu entblössen oder das Kind anzufassen. Diese Überwachung via GPS lässt euch lediglich wissen wo das Kind ist. Das ist aber auch schon alles. Und falls es entführt werden sollte, glaube ich kaum, dass heutzutage noch jemand nicht weiss, dass diese XXL Uhren auch einen GPS Sender drin haben 😉 24/7 Überwachung..dazu werden Eltern dann wohl neigen, wenn das Kind mal 17 / 18 Jahre ist und mal über Nacht weg bleibt. Denn wer kein Vertrauen in sich und seine Erziehung hat und kaum los lassen kann, der wird das auch nicht tun, wenn das Kind älter wird, im Gegenteil.

„Als wir letztens im Playmobil Funpark waren wurde alle 2 Minuten ein anderes Kind ausgerufen. Die hätten mal lieber solche Uhren getragen. Ich finds eigt eine gute Idee. Besser, als wenn das Kind verschwunden wäre.“

Und dann geht man ins Internet mit dem Handy und sucht das Kind, auf dem Bildschirm. Und rennt alles über den Haufen was im Weg steht, da man ja diesen kleinen Punkt auf dem Monitor verfolgen muss. Aha. Meist wurde es, bis die Eltern da mal online sind und wie Ferngesteuert rumlaufen, abgegeben und ausgerufen. Ein Vergnügungspark ist gross, es laufen viele Kinder rum, das eigene gleich auf Anhieb zu finden nur aufgrund dieser Uhr halte ich für Utopisch und an den Haaren herbeigezogen. Ansonsten, ohne die Überwachungsuhr a la „Big Brother“ werden die Kinder abgegeben am Meetingpoint oder wo auch immer und beim nächsten mal (je nach Alter) benötigen die Eltern eine andere Organisation (2.jährige lässt man nie aus den Augen, sorry!) oder die Kinder lernen dazu und weichen in diesen Parks nie wieder aus den Augenwinkeln der Eltern.

Aber zum Glück gab es noch Eltern, die dieses „Ding“ ablehnten, zu recht wie ich finde.

Dürfen Kinder bei euch auch freie Kinder bleiben wo fängt es an wo hört es auf mein gott dann sollte man als Elternteil vllt mal überlegen ob man nicht vllt einfach ein paar mal mehr nach dem Kind schaut walkie talki finde ich ja noch ganz ok aber GPS Uhr jetzt mal ehrlich spinnt ihr das einzige wo ich das in Ordnung finde schul und Heimweg da ist es in Ordnung.“

„Meine (4) würde das Ding irgendwo liegen lassen und weg wäre es…“

„Go Pro Camera auf die Stirn, Problem gelöst!* Achtung!! Ironie

Der einzige Fall, wo diese Uhr gerechtfertigt ist, zumindest ein wenig…damit man Opa schneller findet, wenn der wieder aus dem Altersheim auf Entdecker Tour unterwegs ist.

Das hab ich auch schon in Erwägung gezogen für meine tochter…. und für meinen opa weil der langsam senil wird…“

Natürlich wollten die (99%)  Mütter nicht hören, was sie so beim Kind anstellen, mit ihrer Paranoia und das es halt einfach nichts bringt und kein Schutz ist, wenn man die Kids überwacht. Pochten auf Meiungsfreiheit (mal wieder) aber ich sollte gefälligst den Rand halten und weiter „gehen“. Ausserdem: Ich hab noch von keinem Kind gehört, dass in einem Notfall das Handy zückte: „Hallo Mama, da steht gerade ein Mann und lockt mich ins Auto!“ (Fügen Sie hier bitte ihr Horrorszenario ein!)  und natürlich stand die Mutter bereits am nächsten Eck parat, dank GPS und dem Anruf des Kindes über das Handy  und schlug den bösen schwarzen Mann in die Flucht! Habt ihr von solchen Situationen gehört?

Ich glaube nicht, dass wir in einer gefährlichen Zeit leben

Ich glaube die Zeit wirkt auf uns nur so gefährlich, weil mit unserer Angst Geld gemacht wird. Jedes Unglück, weltweit wird in ungefiltert und in Echtzeit in unser Wohnzimmer transportiert, früher wusste man nicht mal was im Nachbarsdorf passiert. Und wenn was passieren sollte, wird keine GPS Uhr der Welt und kein Handy und keine Kamera uns und unsere lieben davor schützen.

Ich denke wir sollten unsere Kinder so erziehen, dass sie wissen wie sie sich verhalten sollen, wenn ihnen jemand zu Nahe kommt. Und wir sollten ihnen und vor allem unserer Erziehung vertrauen, statt sie zu überwachen und so ein völlig falsches Signal zu senden.

Eure Meiungs ist wieder gefragt; Wie steht ihr dazu?

 

Bis bald,

 

Nanny Anny

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Früher war alles besser, oder?

Immer wieder hört man von Eltern oder Grosseltern diesen Satz: „Früher, ja früher war alles besser!“ Doch was genau ist dran? Dieser Frage möchte ich heute auf den Grund gehen.

Früher, ja was bedeutet das genau? Zeiten ändern sich, die Wahrnehmung verändert sich.

Früher: Das war die Zeit, in der man alleine morgens in die Schule lief. Man belächelte damals Kinder, die von ihren Eltern in die Schule gebracht oder gefahren wurden. Früher, das war die Zeit, in der man als Kind nach dem Mittagessen raus ging und in der Abenddämmerung wieder heim kam. Die Zeit in der man ohne Helm Fahrrad fuhr, auf Bäumen kletterte und mit Kratzern und Wunden heim kam. Niemand kam damals auf die Idee, Eltern anzuzeigen deswegen oder nach Schuldigen zu suchen wenn das Kind mal mit Schrammen nach Hause kam. Man versorgte die Stelle, gab ein Pflaster drauf und gut war. Und vor allem: Man überlebte all das! Klingt unglaublich, oder?

Kein Handy, niemand wusste recht wo man war, keine Überwachung. Man hatte Freunde, die in der Nachbarschaft wohnten oder man traf sich mit ihnen auf dem Spielplatz. Man war sogar so frech, da ging man doch tatsächlich an die Türe der Freunde, ohne vorher anzurufen oder gar, dass die Mütter ein „Play Date“ vereinbarten. „Ist der XY da?“ oder“ Darf XY bitte raus zum Spielen kommen?“ Alles recht unkompliziert. Man vertraute seinen Kindern und vor allem seiner Erziehung.

Schlimme Dinge passierten. Es gab auch damals Pädophile, Entführungen, eben all das was es eben schon immer gab. Ich mag mich gut erinnern als ich acht Jahre alt war. Meine Freunde und ich waren alleine auf dem Spielplatz, da kam ein Mann und entblösste seinen Penis vor uns, fing an daran zu spielen. Ich schrie ihn an, alle anderen machten mit. Der Mann erschrak, ging aber nicht weg. Also liefen wir weg und erzählten zu Hause was passiert war. Weil man uns das so beigebracht hat. Weg laufen, nicht mit Fremden mitgehen, nichts von Fremden annehmen. Laut rufen wenn wir Angst haben, den nächsten Erwachsenen um Hilfe bitten. Man besprach Situationen anstatt immer mit dabei zu sein als Erwachsener. Ja, das geht alles schon mit acht Jahren.
Doch wenn ich mir achtjährige heute ansehe, bin ich mir nicht sicher, ob die nicht vor lauter Schockstarre überhaupt reagieren könnten. Denn ich habe nicht das Gefühl, dass man ihnen das immer einbläut oder ihnen überhaupt so weit vertraut, dass sie ein paar Stunden alleine los ziehen könnten ohne Elterliche Aufsicht. „Ja, früher war alles besser, da konnte man noch als Kind raus den ganzen Tag!“ Warum sollte das heute nicht mehr möglich sein? Es sind die Eltern die den Kindern da im Weg stehen. Man blockiert vor lauter Angst ihre Selbstständigkeit, ist beim Spielplatz immer vor Ort, die Kinder sind nie ohne Aufsicht, ohne Kontrolle. Und diese Angst, die wird geschürt durch die Medien. Wenn man bei Google nur: Kindesmissbrauch, 60iger, 70iger Jahre usw. eingibt, wird man erschlagen mit den Ereignissen von damals.

Früher war also alles besser? Mitnichten! Man hat nur nicht in Echtzeit, weltweit mitbekommen was so los ist.

Ausserdem wurde viel auch verschwiegen oder vertuscht aus Scham. Nur was sich gewisse Pfarrer raus genommen hatten, weltweit, einfach grausig! Früher, ja früher wurden die Kinder auch in der Schule und auch zu Hause körperlich gezüchtigt. Früher war also alles besser? Wann war denn genau dieses Früher? Kinder leiden heutzutage nicht unter den schlimmen Bedingungen und den Bedrohungen von aussen, sondern unter der Angst ihrer Eltern. Klar, ich mache mir auch Sorgen, wenn die Kinder zu spät aus der Schule kommen, aber nicht weil ich ihnen nicht traue, sondern weil nicht ich sie erziehe 24/7.

Selbstständigkeit würde bei mir an erster Stelle stehen. Und je früher man beginnt den Kindern etwas zuzutrauen, desto mehr wachsen sie an sich. Das Selbstwertgefühl wächst auch mit den übertragenen Aufgaben. Und es erleichtert nicht nur den Kindern das Leben, sondern auch euch Eltern. Denn wie oft höre ich Eltern sagen „Wir kommen zu gar nichts, das Kind kann sich kaum beschäftigen.“ Später dann: „Das Kind kann nicht aufräumen, Sorge tragen zu seinen Sachen:“ „Der Jugendliche übernimmt keine Verantwortung, hat keinen eigenen Antrieb…“ und so weiter und so fort. Die Zusammenhänge werden meist nicht erkannt. Später, wenn die Kinder dann Flügge werden sollen und es nicht werden: „Was haben wir nur falsch gemacht, dabei haben wir alles für dich getan!“ Ja, genau da wird wohl das Problem liegen, die Eltern tun alles für ihr Kind. Überbehütung aus Angst. Angst ist nie ein guter Ratgeber und wird kontraproduktiv.

Traut euren Kindern ruhig etwas zu und traut euch vor allem als Eltern zu, die Kinder so erzogen zu haben, dass sie wissen was zu tun ist im richtigen Augenblick. Sie können keine eigenen Erfahrungen machen und ausprobieren wenn sie von euch Eltern rund um die Uhr überwacht werden, wenn alles durchgeplant ist. Das lässt keinen Spielraum für Entfaltung.

 

Schönen Sonntag

 

 

Nanny Anny

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Mein Kind – Selbstständig und Selbstbewusst! Aber wie? Teil.3

Heute kommen wir zum letzten Teil dieser Reihe und ich habe mich gefragt, ob Eltern eigentlich so richtig bewusst ist, dass die ersten 4. Jahre, mit die wichtigsten sind im Leben. Man lernt als  kleines Individum soviel, wie nie wieder in seinem Leben. Ob jeder, der ein Kind bekommt, sich im klaren ist, was genau passiert? Wie oft hörte ich Eltern in der Krippe sagen:“ Ach, ihr habt heute nur gespielt? So ein Leben möchte ich auch haben, den ganzen Tag nichts tun!“

Ähmm, ja?! Kinder lernen durch Spiel, nur mal so am Rande. Und das ist manchmal alles andere als einfach bzw es ist die Arbeit der kleinen und sehr anstrengend. Oder warum meint ihr sind die Kinder am Abend, nach der Krippe fix und foxi?  Es ist also Zeit auch in diesem Feld Aufklärung zu betreiben.

Eine kleine Definition zum Freispiel:  „komplexes Spielgeschehen während einer bestimmten Zeitdauer, das sich jedes Mal neu aus dem spontanen Tätigwerden der Kinder und der zurückhaltenden Aktivität der Erzieher/-innen entwickelt“

Quelle: http://www.erzieherin.de

Dieser Bericht ist äussert Lesenswert, wenn man verstehen möchte, warum das Spiel bzw das Freispiel für die Kindliche Entwicklung sehr wichtig ist.

http://www.kindergarten-homepage.de/paedagogik/freispiel2.html

Und so durchforstete ich die Weiten des Internets und fand eine wetere ganz tolle Seite, die ich bis dato noch nicht kannte. Die Bildungsdirektion des Kanton Zürich hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit dieser Seite, im richtig grossen Stil aufzuzeigen, wie Lernen mit allen Sinnen in den ersten 4.Jahren aussieht. Und das ganze in Sage und Schreibe 13! Sprachen. Es lohnt sich auf jeden Fall rein zu schauen.

http://www.kinder-4.ch

Hier ein kleiner Auszug zum Thema „Spielend Lernen“: http://www.kinder-4.ch/de/filme_themen#single/952

Zum Abschluss dieses Themas möchte ich nur noch mal Anmerken: Je mehr Kinder alleine erfahren und begreifen dürfen, desto Selbstständiger werden sie. Je mehr man ihnen zutraut, sie lobt, auch für die Mühe, nicht nur das Ergebniss, desto mehr wachsen sie über sich hinaus und werden Selbstbewusst und Selbstständig. Je mehr man ihnen abnimmt, aus welchen Gründen auch immer, desto unselbstständiger und unsicherer werden sie. Eltern helfen also NICHT wenn sie dem Kind jenste Frustration ersparen wollen. Und es muss nicht immer 24/7

Entertainment sein, aus Langeweile entsteht meist was ganz grosses! Denn wie sollen kleine Kinder lernen sich selbst zu beschäftigen wenn wir sie rund um die Uhr beschäftigen? Ich kenne Erwachsene die wissen mit mitte 30 noch nichts mit sich selber anzufangen, dass muss man sich mal vorstellen. Gebt eurem Kind die Freiheit allein was auf die Beine zu stellen, lasst es am Spielplatz laufen anstatt ständig daneben zu stehen. Hebt es nicht auf Geräte, wo es selber noch nicht hoch kann. (Unfallgefahr)

Ja es wird eine Weile dauern, gerade wenn es gewohnt ist ständig „bespasst“ zu werden, doch es lohnt sich die Geduld aufzubringen und vor allem den Mut. Traut euren Kindern mehr zu, damit sie sich auch mehr zu trauen!

Alles Gute und bis nächste Woche

Nanny Anny

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