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Wie „dick“ darf eine Erzieherin sein?

Nein, ich möchte heute kein Body Shaming betreiben oder das 90-60-90 in den Krippen und Kitas einführen. Es geht mir  um eine Aussage von einer Mutter in England, die sich aufgrund des extremen Übergewichtes der Erzieherin entschlossen hat ihr Kind nicht in deren Obhut zu geben. Den ganzen Artikel in englisch findet ihr hier.

Und es war nicht irgendeine Mutter, sondern diese:

Dr. Pamela Peeke is a nationally renowned physician, scientist, expert and thought leader in the fields of integrative and preventive medicine. Dr. Peeke is a Pew Foundation Scholar in Nutrition and Metabolism, Assistant Professor of Medicine at the University of Maryland, holds dual masters’ degrees in public health and policy, and is a Fellow of both the American College of Physicians and the American College of Sports Medicine. Dr. Peeke is featured in the National Institutes of Health’s “Changing Face of Medicine” exhibit on the history of women physicians at the National Library of Medicine. She has been named one of America’s top physicians by the Consumers Research Council of America. Dr. Peeke has received national recognition from the fitness and nutrition industries for her continuing leadership and expertise.

Quelle

Kurz fürs Verständnis, ich bin 1.60 und wiege momentan um die 71 Kg. Mein BMI ist bei 27.7 – ich habe also selber Übergewicht. Ab 30 gilt man bereits als adipös, also Fettleibig.

Ich bin also keine Skinny B… die nun auf dickere Mitmenschen einhaut!

Nichts desto trotz habe ich mich durch die Kommentarspalten gekämpft und so gar kein Verständnis für die Mutter finden können. Denn eins ihrer Bedenken sind klar verständlich, zumindest für mich:

  • Kann die Erzieherin mein Kind aus einer brenzligen Lage befreien, wenn es schnell gehen muss? Zur Erinnerung: Die Erzieherin atmete schwer, bewegte sich schwerfällig und lief beim normalen Schritttempo in der Kita schon rot an. Mit 20 Jahren!

Wie mobil ist man mit übermässigem Gewicht?

Also meine 15 Kg mehr auf den Rippen behindern mich in keinster Weise. Ich kann dem Kind nachrennen, schnell reagieren, Fussball spielen, den ganzen Tag wandern gehen. Keine Atemnot, kein jappsen nach Luft, ich laufe nicht mal rot an. Doch wie sieht es aus, wenn jemand stark übergewichtig ist? Wenn wir hier nicht von 15 oder 20 Kg mehr sprechen sondern von 50 oder gar noch mehr?

Ist der Mensch auch so flexibel? Es ist ein sehr schwieriges Thema, das ist mir bewusst. Und egal was man sagt, es ist falsch. Doch was würde man sagen, wenn das Kind weg läuft, direkt auf die Strasse und die Erzieherin wäre nicht imstande dem Kind nachzurennen, weil es in der Krippe schon im Laufen nach Luft schnappt?

Dick ist auch nicht gleich dick

Und ja, auch das ist mir bewusst. Doch wir gehen mal nur von dem Fall aus dem Artikel aus. Ich kenne auch genug Menschen die beleibt sind und viel mehr Sport machen als ich oder andere, mit weniger Gewicht. Aber so einen roten Kopf vom laufen bekommt man nicht von 15 oder 20 kg Übergewicht, wenn wir ehrlich sind. Nicht mit 20 Jahren.

Dicker Diätkoch – nein danke.

Würdet ihr einen Diätkoch engagieren, der selber Übergewicht hat? Sorry, also ich würde es nicht tun. Ich würde mich auch nicht von einer Kosmetikerin behandeln lassen, die selber unreine Haut hat. Oder einer Friseurin mit zerstörtem Haar. Klar, eine Erzieherin muss nun kein Model sein oder übermässig sportlich, aber sie ist auch Vorbild.

Und so lange es nicht krankhaft ist, das Übergewicht, muss man sich dann schon fragen, was sie dem Kind vorlebt? Schliesslich sehen manche Kinder die Erzieherin mehr, als die eigenen Eltern.

Man sollte Eltern einfach mal selber überlassen auf was sie wert legen bei den Menschen, denen sie ihre Kinder anvertrauen. Manche wollen keine Erzieherinnen mit Piercings, alle wollen Nichtraucherinnen und manche wollen eben Erzieherinnen die jung sind und nicht kurz vor der Rente stehen, andere wollen genau das Gegenteil. Bei den Nannys genau das gleiche.

Ja, das ist Diskriminierung, ich weiss. Doch es sind ihre Kinder. Und Eltern brauchen ein gutes Gefühl, wenn sie aus der Krippe oder Kita raus gehen und keine Bedenken und Misstrauen in die Betreuungspersonen. Und ihre Bedenken sollten sie auch äussern können ohne dafür an den Prager gestellt zu werden.