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„Du bist aber streng!“ „Ich bin nicht streng, ich bin konsequent

Konsequenz (von lateinisch consequi ‚folgen‘, ‚erreichen‘) ist eine – oft zwingende, mindestens jedoch mögliche – Folgerung. Je nach Kontext sind spezifischere Redeweisen üblich.

Umgangssprachlich beschreibt „konsequent“ u. a. die Zielstrebigkeit des Handelns einer Person, ein gegenteiliges Verhaltensmuster würde dann „inkonsequent“ genannt, etwa, wenn eine angekündigte Handlung unterlassen wird.

Heute stelle ich mir die Frage, warum viele Eltern nicht konsequent sein können bzw warum viele konsequenz mit Strenge verwechseln, oder gar mit schreien oder noch schlimmer: Schlagen. Und schon mal vorab: Ja, konsequent sein ist anstrengend, kostet Zeit aber es lohnt sich. Denn wenn ich die Regeln von Anfang an klar kommuniziere muss ich nicht jeden Tag darum verhandeln. Sicher werden sie angepasst im Laufe der Zeit, doch der rote Faden bleibt. Und ja, Kinder brauchen einen Roten Faden an dem sie sich orientieren können.

Als erstes ist es wichtig, dass sich Eltern Gedanken machen nach welchen Grundsätzen sie das Kind erziehen wollen. Dabei ist es wichtig mit dem Partner zu sprechen, damit sich beide einig sind. Nichts ist schlimmer, als ein Kind dass Mutter gegen Vater ausspielt oder umgekehrt. Die Masche guter Cop, böser Cop ist in der Erziehung fehl am Platz. Erziehungsgrundsätze könnten sein; Wir gehen Respektvoll miteinander um, wir unterstützen uns so weit wie möglich.

Wenn Kinder alt genug sind kann man sie miteinbeziehen, wenn es um das Finden von Familienregeln geht wie z.B die Schuhe werden vor der Haustüre ausgezogen, jeder räumt sein eigenes Geschirr auf nach dem Essen usw. Es fällt Kindern einfacher sich an Regeln zu halten wenn sie ein gewisses Mitspracherecht haben. Wenn die Regeln nicht eingehalten werden, sollte man sich überlegen warum das passiert ist. Auch Konsequenzen sollten nicht gleich folgen sondern nach einer Vorwarnung.

Auch solltet ihr liebe Eltern auch meinen was ihr sagt. Wie oft sehe ich euch z.B an Spielplätzen leere Drohungen aussprechen. „ Max, wenn du nicht aufhörst mit Sand zu werfen dann gehen wir Heim!“ Nach dem 10 mal nimmt Max seine Mutter natürlich nicht mehr Ernst, aber das Fehlverhalten bleibt. In so einem Fall denke ich würde es doch reichen, es einmal zu sagen, das nächste Mal zu verwarnen und auch zu betonen, dass man es nicht noch einmal sagt und beim dritten Mal gehen. Meist (sorry liebe Mamas) sind es ja gerade Mütter die dann mit ihrer Freundin weiter quatschen möchten und deswegen nicht gehen. Inkonsequenz aus Bequemlichkeit. Aber beim nächsten Fehlverhalten rumjammern das Kind nehme einen nicht Ernst 😉

Konsequent heisst: Heute so-Morgen genauso! Und nicht jeden Tag nach Lust und Laune die Regeln ändern, wie es für den Erwachsenen am bequemsten ist. Das Kind wird verunsichert und ab einem gewissen Punkt, weiss es nicht mehr was man von ihm verlangt. Man kann Kinder auch ermutigen etwas zu tun, ohne gleich Konsequenzen androhen zu müssen. Beispiel: Max möchte seine Schuhe nicht ausziehen beim rein kommen in die Wohnung. Man könnte ihm anbieten, dass er seine tollen Hausschuhe anziehen darf. Oder, dass man gemeinsam etwas spielen könnte in seinem Zimmer, aber dafür muss er die Strassenschuhe aus ziehen. Bzw. wenn er schon mit den dreckigen Schuhen in die Wohnung möchte, muss er dann selber den Dreck wegputzen als letzte Instanz.

Manchmal wollen Kinder mit negativem Verhalten auch einfach nur provozieren, lasst euch nicht aus der Reserve locken liebe Eltern. Manchmal bringt es mehr so ein verhalten zu ignorieren, es kommt natürlich auch immer auf die Situation drauf an. Ich hatte mal einen Ausflug mit den kleinen in der Krippe. Dabei waren auch 2 Kinder die in jeder Gelegenheit meinten sie müssten die Regeln austesten. Wir stiegen also in die Tram und ich hatte ihnen in der Krippe noch gesagt, dass wir in der Tram nicht rumschreien, wir sind ja schliesslich dort nicht auf dem Spielplatz. Und die Menschen dort wollen in Ruhe Tram fahren. Ich sagte ihnen auch, falls das nicht klappt, steigen wir aus und drehen um in die Krippe, zu Fuss. Als wir schliesslich eingestiegen sind, war es kurz leise, dann fing einer der besagten Kinder grundlos an rum zu brüllen. Einige Mitfahrer erschraken, da es wirklich ohne Vorankündigung geschah. Und jeder der mit Kindern zu tun hat, weiss, dass es nur einen braucht der den Affen macht und alle machen es nach. Also blieb es nicht bei dem einen Brüller, auch andere Kinder nahmen sich ein Beispiel und machten munter mit. Ich fragte in die Runde ob sie sich denn erinnern, was passiere, wenn sie weiter so rum schreien würden und erinnerte sich erneut daran. 1 Station hielten sie es aus, dann ging das Theater von vorne los. Ich betonte, dass es nun die letzte Warnung ist, und wenn es nicht sofort aufhört, wir austeigen und die drei Stationen zu Fuss zurück laufen würden, also ein Spaziergang statt Spielplatz. Bei der nächsten Station stiegen wir dann aus, da es anscheinend niemand von den Kindern glauben konnte, dass wir wirklich umdrehen würden. Es kam ja schliesslich bei den Erzieherinnen vor mir auch nie vor. Umso erschrockener waren sie als ich aufstand, die Türe sich öffnete und ich ihnen mitteilte, dass wir nun aussteigen. Klar war das erst mal ein Schock, aber meint ihr sie haben jemals wieder in der Tram, Bus, Zug usw rumgeschrien? Und es waren alles Kinder im Alter von 2.5-4 Jahren. Konsequenz statt strafen, es muss immer was mit der Sache zu tun haben damit die Kinder daraus lernen.

Genauso beim Essen; Kinder die anfingen mit Essen zu spielen, es auf den Boden warfen und all die Späße. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass sie wohl fertig bzw. nicht mehr Hungrig  sein müssten wenn sie mit dem Essen so umgehen. Und dann wurde ihnen das Essen weg genommen, doch sie mussten sitzen bleiben bis alle fertig waren. (Auch hier sei angemerkt, dem Alter entsprechend)

Je klarer die Regeln, desto einfacher das Miteinander, desto einfacher können sich Kinder orientieren. Probiert es aus, aber konsequent 😉

Ideen für den Blog, Fragen, Anregungen? Immer her damit oder unter M.Poppins@gmx.ch

Liebe Grüsse aus dem grauen Prag

Nanny Anny

Ps. Der Blog erscheint nun immer Freitags!

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Mein Kind – Selbstbewusst und Selbstständig! Aber wie? Teil.2

Kinder helfen im Haushalt! Selbstverständlich, oder?

„Eine repräsentative Umfrage von Familienzeit, die Findus in Zusammenarbeit mit dem LINK Institut durchgeführt hat enthüllt Schweizer Trends und regionale Unterschiede bei Freizeitbeschäftigung, Erziehungstaktiken und Haushaltsführung. Hier ein kleiner Ausschnitt der Ergebnisse:

Ostschweizer Kinder sind von klein auf fleissig
Ostschweizer haben die fleissigsten Kinder. Die Hälfte der befragten Ostschweizer lassen ihre Kinder bereits vor dem 6. Altersjahr im Haushalt mithelfen. Neben Zimmer-Aufräumen und Geschirr-Abräumen, gehört Staubsaugen zu den drei wichtigsten Haushaltspflichten. In anderen Regionen sind es nur knapp 43 Prozent, die zum Staubsauger greifen müssen. Auch in der Zentralschweiz sind Kinder schon von klein auf emsig am Werk: 39 Prozent packen schon vor dem 6. Lebensjahr im Haushalt fleissig mit an. Demgegenüber pflegen die Romands, was die Haushaltspflichten betrifft, einen lockeren Umgang mit ihrem Nachwuchs. Knapp ein Drittel ist der Meinung, dass Kinder erst ab dem 9. Lebensjahr mithelfen sollten. Etwa ein Viertel der Romands lassen ihre Kinder sogar erst ab zwölf Jahren Hausarbeiten verrichten.“

Quelle: Swissfamily Magazin

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer!“ besagt ein altes Sprichwort. Und ganz unter uns, es stimmt in den meisten Fällen. Heute geht’s um die Mithilfe im Haushalt, bzw dem 2.ten Teil: Kinder, Selbstständig und Selbstbewusst! Aber wie? Wie viele Eltern die Jugendliche zu Hause haben Ärgern sich jeden Tag grün und blau weil diese nicht mit anpacken wollen?! Auf Nachfrage erfährt man dann, dass diese bis vor ein paar Monaten nie angehalten wurden nur einen Finger zu krümmen im Haushalt. Also was tun? Und wieso meinen Eltern man darf Kinder erst nach Hilfe fragen wenn diese schon ein bestimmtes Alter erreicht haben?

Da sich dieser Blog eher an Eltern richtet die jüngere Kinder haben, fangen wir doch da an. Kleiner Kinder lieben es im Haushalt mit zu helfen, doch meistens fehlt den Erwachsenen die Geduld. Klar am Anfang bedeutet das mehr Arbeit, aber auf lange Sicht gesehen profitieren beide. Wenn man einem Kind von Anfang an die Spielregeln beibringt, erleichtert sich das Miteinander um einiges. z.B. können Kinder ab ca. 3. Jahren mit helfen den Tisch zu decken, Blumen zu giessen und ihr Spielzeug aufräumen wenn sie fertig gespielt haben. Man kann im Sommer unter Aufsicht mit ihnen Unkraut jäten im Garten, kleinere Einkäufe tragen lassen, Staubsaugen oder Staub wischen mit dem Wedel. Das stärkt das Selbstbewusstsein in dem man dem Kind signalisiert: Ich trau dir das zu, ich glaube an dich, dass du das schaffst.

Wie stolz sie dann sind wenn sie etwas geschafft haben. Viele Kinder kommen dann meist von selbst und fragen ob sie helfen können. Wenn bei uns die Putzfrau kommt, also an dem Ort wo ich als Nanny tätig bin, fragt die 7.jährige auch immer: „Darf ich bitte helfen?“ Dann schwingt sie den Putzlappen und man sieht ihr an wieviel Freude sie hat etwas zu tun, dass meistens den grossen vorenthalten bleibt. Viel Freude hat sie auch am Kochen und Backen. Und ehrlich gesagt sind wir grossen ja auch sehr stolz, wenn unser Besuch, Freunde; Familie, Freund uns sagt wie toll der selbstgebackene Kuchen schmeckt oder das gekochte Gericht.

Am besten lässt man das Kind etwas im Haushalt tun was es gern hat. Manche mögen Staubsaugen, andere Geschirr einräumen, jedes Kind ist da Individuell. Ab dem 6.ten Lebensjahr empfiehlt es sich ein festes Ämtli dem Kind zu übertragen und eine Zeit festzulegen wann dieses erledigt werden muss. So kollidieren Freizeitaktivitäten oder Wünsche des Kindes nicht mit dem Ämtli. Kinder in der Primarschule sind schon in der Lage ihr Zimmer aufzuräumen, Müll runter zu bringen, beim kochen zu helfen usw. Je früher man Anfängt sein Kind mit einzubeziehen desto einfacher und selbstverständlicher helfen diese mit. Auch als Jugendliche…Man verhindert auch ein gewisses Anspruchs- bzw Konsumverhalten a la: Ich erwarte gebügelte, gewaschene Wäsche in meinem Schrank oder ein sauberes Zimmer, vollen Kühlschrank usw. Man lernt, dass jeder dazu etwas beitragen muss in der Gemeinschaft.

Dabei sollte man nicht den Fehler begehen, Mädchen mehr einzubinden als Buben. Der Vater hat dort auch seine Vorbildsfunktion. Denn wenn die Mutter putzt, kocht, einkauft und die Wäsche macht, signalisiert das, dass Frauen für alles zuständig sind, während das andere Geschlecht auf dem Sofa sitzen darf und in die Glotze starrt. Denn Kinder ahmen ab dem 1.ten Lebensjahr die Erwachsenen nach. Was aber tun wenn die Kinder trotz allem streiken? Es empfiehlt sich Konsequenzen einzuleiten die mit dem Ämtli zu tun haben. Unter keinen Umständen sollte man es selber erledigen! Man gibt dem Kind sonst zu verstehen, wenn es sich nur fest genug verweigert, erledigt das jemand anderes für ihn. In ganz heftigen Fällen, dürfen die Erwachsenen auch mal streiken. Ich bin ein grosser Fan von Konsequenzen, allerdings müssen sie auch immer auf die Situation bezogen sein und keine Strafe darstellen.

Probiert es aus! Seid Geduldig und Nachsichtig und denkt dran: Übung macht den Meister!

Anbei habe ich auf Youtube ein tolles Video zum Thema gefunden…Aus der Sicht eines Jugendlichen. Und ich würde gern in der Umfrage wissen, wie ihr es habt mit euren kleinen. Dürfen sie im Haushalt mithelfen?

Anregungen, Lob, Kritik? Immer gern- M.Poppins@gmx.ch. Ansonsten freue ich mich übers teilen und weiter sagen.

Bis nächste Woche

Nanny Anny