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Bullshit Bingo mit Nanny Anny

„Aber du hast noch nie ein Kind geboren! Du weiss nicht wie das ist mit der Verantwortung!“

Ja, deswegen bin ich anscheinend nicht qualifiziert genug um Kinder zu erziehen. Vergessen wir die Berufserfahrung seit 1999, die Lehre &die Weiterbildungen. Ich wusste nicht, dass man dazu selber ein Kind gebären muss. Bitte teilt das an den Schulen und an den Unis den Lernenden mit, Ausbildung und Studium können sie sich getrost sparen.

Ich glaube das kam da noch nicht an. Ausserdem, wisst ihr nicht wie es ist als Nanny für fremde Kinder verantwortlich zu sein, oder als Gruppenleitung in einer Kita für 12? Wollen wir mal einen Monat tauschen? Danach werden einige von euch anders reden, versprochen. Das Gefühl immer mit einem Bein im Gefängnis zu stehen ist ausserdem echt ein grandisoser Kick!

„Du kannst abends nachhause gehen, du weisst nicht wie das ist mit einem Baby!

Ich war Au-pair und LiveIn Nanny.  Ausserdem bin ich immer noch hier und da als Nacht Nanny unterwegs, wenn Eltern am Anschlag sind, weil das Neugeborene Nachts sehr aktiv ist oder krank oder oder. Als Au-pair habe ich mit einem 2 jährigen und einem Neugeborenen gelebt dem ich Nachts auch die Flasche gab oder ihn getröstet, wenn er wach war, Koliken hatte oder was Babys eben so haben.

Als Nanny lebte ich mit einem Schul- und einem Kindergartenkind und deren Familie zusammen. Ich hatte Dienst von 7-19 Uhr und darüber hinaus. Auch war ich mit Familien im Urlaub. Ich weiss also schon, wie das ist und konnte nicht immer die Türe zu machen, oder heim gehen.

Ausserdem klingen manche so, als wäre es meine Schuld, dass sie nun eine Lebenslange Verantwortung für ihre Kinder tragen. Ich weiss halt warum ich keine eigenen Kinder möchte 😉

„Du weisst nicht wie das ist mit einem kranken Kind!“

Siehe vorherigen Punkt. Natürlich nahm ich mir aber immer frei, wenn die Kinder krank waren, schrien, und lieber zu ihren Eltern wollten, statt sich von mir pflegen zu lassen. Es kam die magische Fee und kümmerte sich um den Haushalt, Einkauf, Wäsche und die Kinder. Wer auch sonst? Als Nanny pickt man sich doch nur die schönen Seiten des Berufes aus.

„Bekomme du erst mal Kinder!“

Wurde gern in der Debatte „Gewalt gegen Kinder“ benutzt. Als ob ich, die selber als Kind geschlagen wurde, plötzlich selber zur Täterin werde, wenn ich mein eigenes Kind habe. Klar, gegen andere Kinder noch nie die Hand erhoben seit 1999 aber gegen mein eigenes werde ich das sicher tun. Weil das mein eigen Fleisch und Blut ist. Auch werde ich mit dem herauspressen des Kindes alle Erfahrungen vergessen, die ich in den letzen Jahren sammeln konnte, weil mir dann mein “ Erziehungs Expertin in allen Belangen“ Diplom überreicht wird. Verstehe.

„Eine FaBe (Fachfrau Betreuung) Kind bzw. Erzieherin,  ist keine Pädagogin !“

Ein Pädagoge (von griechischπαιδαγωγόςpaidagogós) ist eine Person, die sich mit dem erzieherischen Handeln, also der Praxis von Erziehung und Bildung und den Theorien der Pädagogik in der Regel professionell auseinandersetzt. Primär wird die Bezeichnung Pädagoge für eine Person gebraucht, die einen Studiengang aus dem Bereich der wissenschaftlichen Disziplin der Pädagogik abgeschlossen hat (im deutschsprachigen Raum gängige Abschlüsse sind die des Diplom-Pädagogen bzw. ein Staatsexamen oder ein Master in Erziehungswissenschaft). Da die BerufsbezeichnungPädagoge nicht geschützt ist, umfasst sie vor allem in der Allgemeinsprache oft sämtliche pädagogisch tätigen Fachkräfte wie Lehrer und Erzieher.

Quelle: Wikipedia

 

Fortsetzung folgt…

 

Schönes Wochenende meine lieben!

 

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Wer trägt die Verantwortung für die Erziehung der Kinder?

Ein Kind zu bekommen ist das schönste der Welt, für die werdenden Eltern. So zumindest höre ich das meistens heraus. Man kauft für das Baby Kleidung, diskutiert mit dem Partner über das Kinderzimmer, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig soll es sein, was man da rein stellt. Nicht zu kitschig, nicht zu kalt.

Dann braucht man noch einen Kinderwagen. Und das erfordert auch etliche Besuche im Fachhandel oder man hat Freunde, die einem den Wagen vererben / verkaufen. Alles in allem mach das Baby, noch bevor es da ist eine Menge Arbeit. Man muss ich um die Betreuung kümmern, am besten noch bevor das Kind da ist, seine finanzielle Situation überlegen, kann man es sich leisten zu Hause zu bleiben, oder arbeiten beide weiter, oder, ob ein Teilzeitmodell in Frage käme.

 

Erziehung planen?

Alles wird durchdacht und geplant im besten Falle, bis auf eine klitzekleine Angelegenheit: Die Erziehung

Welche Werte haben wir?

Was wollen wir für das Kind? – Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Mündigkeit?

Was ist beiden Partner wichtig, wo unterscheiden sich die Meinungen?

Wie werden wir in Zukunft mit diesen Unterschieden umgehen?

Wie wollen wir die Erziehungsziele erreichen?

Wie ist es mit der Entwicklung des Kindes? Ist mir bewusst, dass nicht jedes Kind gleich ist? 

Ich weiss nicht wie es euch geht, aber ich habe keine Eltern kennengelernt, die sich mit  Erziehung und Erziehungszielen wirklich auseinander gesetzt haben.

Klar, viel lesen Erziehungsratgeber, besuchen Geburtsvorbereitungskurse etc. Doch die meisten Streitigkeiten bezüglich der Kinder, sind immer noch in der verschiedenen Sichtweise der Partner in Sachen Erziehung. Denn im Alltag werden meist Feuerwehrübungen betrieben, man entscheidet dann so Situativ heraus, was an sich ja nicht schlecht ist, doch manche Grundpfeiler sollten schon sein, damit die Erziehung einen roten Faden hat. Denn viele „einfache, schnelle Lösungen“ scheinen auf den ersten Augenblick bequem, ziehen aber unbequeme Konsequenzen nach sich.

 

Kinder brauchen einen roten Faden

Kinder brauchen Sicherheit, sie müssen erfahren, was heute gültig und richtig ist, ist es morgen und übermorgen auch noch.  Beständigkeit gibt Sicherheit und sollte nicht unterschätzt werden. Man kann Ausnahmen machen, doch eben, sollten sie Ausnahmen bleiben. Man möchte ja sein Kind mit bestem Wissen und Gewissen erziehen, damit es später fähig ist sein Leben alleine zu bestreiten. Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen, Sozialkompetent zu sein, all das was es eben braucht um in der Welt selbstständig zu bestehen.

 

Eltern sind Vorbilder

In erster Linie tragen Eltern die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder, niemand sonst. Und man ist dem Kind ein Vorbild, ob einem das bewusst ist oder nicht. Wenn zuhause Konflikte aggressiv gelöst werden, kann man nicht vom Kind erwarten, dass es ruhig und besonnene an Konfliktsituationen ran geht.  Wer zuhause keine Tischmanieren an den Tag legt, kann das auch nicht von seinem Kind erwarten. Wer sich abfällig über alles und jeden äussert, wird sich noch wundern, wenn das Kind mal in der Pubertät ist, was es da so ablassen kann. Wir müssen uns immer vor Augen halten, was Eltern den Kindern auf den Weg geben wollen, müssen sie selber erst Vorleben.  Man kann nicht von Kita, Krippe oder Schule erwarten, dass sie einem das Kinder im wahrsten Sinne des Wortes erziehen. Zumindest nicht die Dinge, für die die Eltern und nur die Eltern verantwortlich sind.

 

Erziehung – zum Wohle des Kindes, oder?

Wenn gewisse Situationen eintreten, reagieren Kinder. Wobei, Kinder reagieren immer auf ihre Umwelt. Sei es Scheidung der Eltern, ein neues Geschwisterchen oder, dass sie einfach keine Grenzen gesetzt bekommen haben als Kleinkinder. Das ist „ok“, so lange die Kinder klein sind, da hat man sie noch „einigermassen“ im Griff, gerade, wenn sie mit einem zuhause sind. ABER: Wenn diese Kinder dann in Kita oder Schule kommen, geht der „Spass“ erst los.

Wenn sie anderen Kinder und Erzieher treten und schlagen, weil die nicht so wollen wie das Kind. Wenn das Kind nur noch tobt, weil es seinen Willen nicht bekommt, so wie er sich das von zuhause gewöhnt ist. Dann wird das zum Problem. Das Kind wird zum „Problemkind“, wird von anderen Kindern gemieden, das wiederum macht das betroffene Kind agressiv, und so dreht sich der Teufelskreis und zieht immer grössere Bahnen, bis hin ins Erwachsenenalter.

Viele Eltern scheinen gewisse logische Konsequenzen auch nicht für bare Münze zu nehmen. „Ach, das Kind nässt nur wieder ein, weil es zu faul ist auf Toilette zu gehen!“ Dass aber die Entwicklung, z.B auch Rückläufig sein kann, bei Ausnahmesituationen wird einfach zur Seite geschoben.  „Ach, mein Kind ist zuhause ganz lieb, ich kann mir das nicht erklären, warum er bei euch so aggressiv ist, wer weiss was ihm die anderen Kindern tun, während die ErzieherInnen weg sehen!“ 

 

Im äussersten Fall – Jugendamt oder KESB

Wenn die Situation ausser Kontrolle gerät, aus welchen gravierenden Fällen auch immer, wird im äussersten Fall die Kinder- und Erwachsenen Schutzbehörde = KESB oder in Deutschland, das Jugendamt eingeschaltet. Die suchen mit den Eltern eine Lösung, hören sich die Probleme an, reden mit dem Kind. Und, wenn es gar nicht anders geht, nimmt man auch die Kinder raus aus den Familien. So etwas passiert NIE, ich wiederhole NIE aus nichtigen Gründen, wie einer einzigen Ohrfeige. Sondern, hat eine lange Vorgeschichte. Das Interview mit einer Jugendamts-Mitarbeiterin findet ihr hier

Einige der betroffenen Eltern hier in der Schweiz haben gar eine Gruppe gegründet, in der sie versuchen gegen die KESB vorzugehen. Denn wie in Deutschland, hört man in den Medien immer nur von den negativen Fällen, nie aber von den positiven. Und klar, kam die KESB auch immer aus dem nichts, und riss den armen Eltern die Kinder aus der Hand.  Wenn ich mich dann für das Jugendamt positioniere, weil ich froh war um deren Massnahmen und ich einige mehr Menschen kenne, die genau so froh waren nicht mehr bei ihren Familien sein zu müssen, werde ich als bezahlter Troll beschimpft oder man unterstellt mir Geld zu bekommen, damit ich diese Aussagen treffe. Was absolut nicht wahr ist!

 

Miteinander satt gegeneinander, bitte!

Ich komme aus einer Familie, die recht zerrüttet ist und war. Ich bin mit 17 Jahren in eine kleine Wohnung gezogen im Rahmen vom „Betreuten Wohnen“, mein mittlerer Bruder wurde fremdplatziert zu einer Pflegefamilie. Mein kleiner Bruder blieb bis zum Schluss bei meiner Mutter. So. Ich war selber betroffen. Wir Kinder haben einen langen Weg hinter uns, bis man uns ENDLICH da rausgenommen hat.

Meine Mutter sieht bis heute nicht ein, warum das passier ist. Wir sind die schlimmen Kinder. Sie trifft keine Schuld. So denken auch die meisten Eltern in dieser Gruppe. Das macht mich etwas traurig, denn man kämpft gegen Windmühlen, gegen die Behörde, die nur das beste für das eigene Kind will, weil man selber, aus welchen Gründen auch immer nicht dazu imstande ist, sich um das Kind gebührend zu kümmern.

Fehler passieren, ja, auch bei den Behörden. Das will ich auch niemanden absprechen. Aber ich würde mir wünschen, dass sich die Eltern mal selber ins Gewissen nehmen, sich professionelle Hilfe holen, zum Wohle ihrer Kinder.  Wo liegt mein Teil, dass es so weit kommen konnte? Was kann ich in Zukunft besser machen? Lasst uns mit den Behörden nach einem Lösungsweg suchen, statt nach Schuldzuweisungen.

 

Denn wie gesagt. Eltern sind verantwortlich für ihre Kinder. Eine Dame hat mir heute gesagt:

Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf!

Ok, warum kämpfen dann aber genau die gleichen Menschen, die sich so äussern, gegen die Hilfe von aussen? Gegen das „Dorf“? Wieso heisst es meist: „Die Erziehung meines Kindes, das kann ich am besten! DAs geht niemanden was an!“ „Haben sie Kinder? Nein? Dann haben sie keine Ahnung und können mir nicht helfen!“

Seltsam, ich habe noch nie jemanden sagen gehört zu einem Arzt: „Hatten Sie schon mal x beliebige Krankheit? Nein? Dann können Sie mir auch nicht helfen!“

 

 

Schönes Wochenende meine lieben,

 

 

Nanny Anny

 

 

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Verantwortung tragen

„Dann hat dieser unmögliche Mensch meinen kleinen Liebling nicht gesehen und ihm die Suppe über den Kopf geschüttet. Wir mussten ins Krankenhaus! Wie konnte er meinen süssen Schatz übersehen?“

„Diese unmögliche Mitarbeiterin  liess den Milchschaum aus der Maschine raus für meinen kleinen Prinzen, wer konnte den ahnen, dass die Milch heiss war. Er verbrannte sich fürchterlich, denn der Inhalt war heiss. Ich werde diese Person / Firma verklagen!“

„Ich sprach dann mit der Erzieherin bei der Übergabe und währenddessen hat meine süsse kleine Fee sich die Hand in der Türe eingeklemmt. Ich dachte immer sie sei gut aufgehoben in der Krippe, aber wenn das schon passiert, wenn ich dabei bin, wer weiss wie die auf unsere Kinder schauen!“

„Ach, das Stillsitzen und sich konzentrieren lernt er in der Schule, wozu hat es denn die Lehrer?“

Was fällt euch auf an den Beispielen hier? In allen vier Fällen versucht man die Verantwortung für sein Kind auf jemand anderen abzuschieben.

Schauen wir uns nur den ersten Fall an

Da hat also der unmögliche Kellner dem Kind die heisse Suppe über den Kopf geschüttet. Meine erste Frage wäre: Warum lässt man sein Kind durch das Restaurant rennen? Zweitens: Hat man sein Kind im Auge, kann das auch schwer passieren. Drittens: Warum ist nun der Kellner schuld, der macht nur seine Arbeit?!

Statt die Verantwortung zu übernehmen, sucht man sich einen Schuldigen. In dem Fall sind es leider immer die Eltern / Betreuungspersonen die ihre Arbeit nicht getan haben. Wenn ein Kind nicht still sitzen kann im Restaurant, muss einer mit ihm vor die Türe, oder man sucht sich ein Restaurant aus mit Spielecke oder holt sich einen Babysitter für die Zeit. Man sollte nicht die Verantwortung für das Kind an das Personal vor Ort übertragen (ausser man gibt sie bei der Ikea Spielecke ab) nur damit man mal ein ungestörtes Schwätzchen halten kann. Denn im schlimmsten Fall, passieren Unfälle die sich vermeiden lassen. Die Leidtragenden sind immer die Kinder.

Zweiter Fall

Da hat sich nun der kleine Prinz an der heissen Milch im Milchschaum verbrannt, so so. Hat er denn den Becher auch selber vom Tresen genommen? Ich wage es zu bezweifen. (Diese Diskussion hat so wirklich stattgefunden in einem Forum) Bei der besagten Firma gibt es kostenlosen Milchschaum für Kinder in Papierbecher. Man merkt doch als Mutter, dass der Inhalt heiss ist, notfalls probiert man den Inhalt vorher in dem man daran nippt. Meist steht noch auf den Bechern: Vorsicht heiss! Wieder mal probiert man die Schuld jemand anderen in die Schuhe zu schieben. Ich wage zu bezweifeln, dass eine Klage hier erfolgreich sein dürfte.

Dritter Fall

Sobald die Eltern die Krippe betreten, übernehmen sie wieder Verantwortung für ihr Kind. Sollte man meinen, dass es auch bei jedem angekommen ist, dem ist leider nicht so. Unfälle wie diese habe ich selber schon ein paar mal erlebt, auch habe ich ein Kind mal vor einer Quetschung in einer schweren Stahltüre bewahrt, während die Mutter mit einer anderen Mutter in der Garderobe ein Schwätzchen führte. Bitte liebe Eltern! Gebt auf eure Kinder acht, denn ihr tragt die Verantwortung wenn ihr da seid um eure Kinder abzuholen, nicht die Erzieherinnen.

Vierter Fall

Das konzentrieren lernt das Kind in erster Linie zu Hause, wenn es in sich versunken spielt. Wenn es darf. Denn viele Eltern beschäftigen ihr Kind rund um die Uhr und geben dem Kind nicht die Freiheit mal für sich versunken und konzentriert zu spielen. Auch abpruptes beenden des Spieles durch einmischen ist nicht gut und förderlich. Meist, wenn das Kind in die Schule kommt, sollte es schon eine  bestimmte Zeit ruhig sitzen und sich konzentrieren können.

 

Das sind alles Denkanstösse, denn mir ist auch bewusst, dass man nicht perfekt ist und Unfälle passieren können. Aber in letzer Instanz tragen wir, die Eltern oder die Nanny die Verantwortung für das Kind und keine Drittpersonen. Und viele Unfälle, wenn auch nicht alle, liessen sich durch Weitsicht vermeiden.

 

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

 

Nanny Anny